Kapitel 2 – Offener Strafvollzug (nicht nur) im elterlichen Heim

Das telefonieren bzw. die gesamte elektronische Kommunikation mit Katja war nicht gerade einfach. Katja hatte nur ein altes bzw. eine Art Rentner- oder Kinderhandy. Ihr Smartphone hatten ihr ihre Eltern weggenommen und weggeschlossen. Als ich Katja darauf hin ansprach, erzählte sie mir, dass Ihre Eltern nicht wollten, dass sie mit anderen (ihnen fremden) Menschen telefonierte und ihr deswegen das Telefonieren erschwerten bzw. es völlig unterbanden. Katja musste deswegen auch immer ihr Handy abgeben, sobald sie das elterliche Haus betrat. Das Handy wurde von den Eltern in der Küche verwahrt. Sie durfte es nicht mit auf ihr Zimmer nehmen.

Katja hatte ein schönes Zimmer unter dem Dach des elterlichen Einfamilienhauses. Technisch war sie dort mit einem Tablett ohne Telefoniefunktion ausgestattet. Das Tablett selbst durfte sie laut ihrer Aussage wiederum nicht mit außer Haus nehmen. Katja konnte in ihrem Zimmer bzw. im Haus nur über das Internet kommunizieren, wobei ebenfalls laut ihrer Aussage, ihre Online-Aktivitäten von ihren Eltern überwacht wurden. Katja kommunizierte deswegen sehr vorsichtig und löschte ständig jeglichen Onlineverlauf.

Katja hatte auch ständig Angst, dass sie bei ihren Online-Aktivitäten erwischt wird. Die Eltern betraten ihr Zimmer ohne anzuklopfen und wenn sie Katja online erwischten gab es Ärger. Katjas Eltern durchsuchten laut Katjas Aussage noch dazu regelmäßig ihr Zimmer und wenn sie das Haus verließ oder es betrat, wurden des öfteren auch ihre Taschen durchsucht. Bei den Durchsuchungen wurde Katja (auch wieder laut ihrer Aussage) noch dazu ab und an auch körperlich abgetastet und dies bis hin zu ihren Hosentaschen in der nähe ihres Schrittes.

Auf Grund des Umstandes, dass Katja zu hause nicht telefonieren konnte, telefonierten wir in der Woche immer zur Mittagszeit, wenn sie Pause in ihrer Behindertenwerkstatt hatte. Katja schickte mir dann immer eine SMS einfach nur mit einem Zeichen und ich rief sie dann zurück. Ich reservierte* mir jeden Wochentag immer die Zeit in der Katja regulär Mittagspause hatte und ich durfte sie aber auch nie von mir aus anrufen, damit die Mitarbeiter in ihrer Werkstatt nichts mitbekamen, dass Katja von jemandem „ihnen fremden“ angerufen wurde. Das selbe Spiel spielten wir, wenn es ging auch noch mal, wenn Katja nach Feierabend auf dem Weg von der Werkstatt nach Hause war. In der Werkstatt und bevor Katja zuhause war, löschte sie grundsätzlich alle Anruflisten.

*) Auf Grund meiner beruflichen Situation kann ich mir meine Arbeitszeit zum Glück total frei einteilen. Nach einer langjährigen Karriere als LEIDENschaftlicher Hartz-IV-Empfänger und hyperaktiver Taugenichts, wurde ich bereits im Alter von fünfzig Jahren dauerhaft in den Vorruhestand delegiert. Mein Job als Hartz-IV-Empfänger war übrigens der erste, den ich dauerhaft durchgehalten habe und auch jetzt versuche ich mich natürlich absolut pflichtbewusst, wie ich es nun einmal von Natur aus bin, in der aufstockenden Grundsicherung zu bewähren. Ich werde all meine Kraft darauf verwenden, diese wundervoll staatliche Anstellung bis zum bitteren Ende durchzuhalten.

Sobald Katja zuhause war, war kein telefonieren mehr möglich, da sie ihr Handy ja an ihre Eltern abgeben musste. Nachmittag und Abends sowie am Wochenende konnten wir uns nur per Nachrichten oder Chat bzw. per Videochat austauschen. Wenn Katja aber am Nachmittag oder Wochenende noch mal unterwegs war, bekam sie ihr Handy für den Weg wieder ausgehändigt und wir konnten wieder (heimlich) telefonieren. Eine oder überhaupt feste Verabredungen waren unter all diesen Umständen so gut wie gar nicht möglich, was irgendwie immer auch etwas nervig war. Aber ich wurde für die ganze Warterei und das ganze Hin und Her immer wieder mit ihrer liebreizenden Stimme bzw. ihrer wundervoll unbeschwerten Persönlichkeit belohnt, sobald wir wieder in irgendeiner Weise Kontakt hatten.

Bei der Onlinekommunikation hatte Katja immer sehr große Angst erwischt zu werden. Selbst wenn wir ganz normal Video-Chatteten, stand Katja immer am Dachfenster wenn ihre Eltern nicht zu Hause waren. Sie schaute ständig aus dem Fenster und beobachtete, ob ihre Eltern nach Hause kamen. Wenn die Eltern zu Hause waren, stand sie noch mehr unter Anspannung. Sie schaute und hörte ständig zur Tür und bei jedem kleinsten Geräusch schreckte sie hoch oder brach oft auch die Kommunikation mit mir ohne jegliche Vorwarnung schlagartig ab. Manchmal war es falscher Alarm und manchmal stand laut ihrer Aussage auf einmal z.B. ihre Mutter in ihrem Zimmer. Es war für mich oft sehr nervenaufreibend, mit Katja ruhig und sachlich oder gezielt zu kommunizieren. Zu diesen Problemen kam noch Katjas total kindliche und zappelige Verhaltensweise hinzu, weil sie (auch wegen der Kommunikation mit mir) immer sehr aufgeregt und oft auch sehr verunsichert war.

Ich fragte Katja, warum ihre Eltern sie so behandelten und sie erzählte mir, dass sie vor rund zwei Jahren von ihren Eltern dabei erwischt wurde, wie sie Kontakt zu einem Mann hatte, mit dem sie sich gerne in Richtung BDSM ausleben wollte. Seit dieser Zeit wurden ihre Eltern immer restriktiver und verboten Katja weiter entsprechende Kontakt zu knüpfen. Ich wusste inzwischen auch, dass Katja die Pille nahm und wunderte mich darüber. Wozu erlaubten ihr Ihre Eltern die Pille, wenn sie keine Männerbekanntschaften machen durfte? Katja erklärte mir, dass ihre Eltern wollten, dass sie „normale“ Männer kennen lernen sollte und dass sie von ihnen auch dahingehend immer wieder bedrängt wurde.

Ich wollte Katja auch ein paar kleine frivole Geschenke per Post schicken, aber das durfte auf keinen Fall passieren. Katja hatte auch dabei wieder riesige Angst, dass sie großen Ärger von ihren Eltern bekommen würde, wenn Post für sie von einem für die Eltern fremden Mann bei sich zu hause ankommt. Ich erklärte Katja darauf hin, dass Post auch postlagernd geschickt werden kann. Sie müsse den Brief, den ich ihr schicke, dann einfach nur auf ihren Namen von der Post abholen. Katja war einverstanden, auch wenn sie natürlich wieder riesige Angst hatte von ihren Eltern erwischt oder von anderen Bekannten in der Post beobachtet zu werden.

In den Brief legte ich ein paar Infos zu unseren Aktivitäten und eine Packstationskarte, die ich mir zuvor als Zweitkarte auf meinen Namen besorgt hatte. So konnte ich ihr frivole und andere schöne Dinge schicken, ohne dass die Eltern davon Wind bekamen (wobei es dazu aber nicht mehr kam).
Katja hatte aber gerade wegen dieser Dinge auch wieder sehr große Angst, da sie ja oft von ihren Eltern beim Betreten des Hauses durchsucht sowie auch regelmäßig ihr Zimmer durchsucht wurde. Diese ganze Geheimnistuerei empfand ich als sehr unangenehm, vor allem weil Katja nun ja auch kein kleines Kind mehr war, auch wenn sie wundervoll liebevoll kindisch war.

An einem Abend, als wir wieder per Video chatteten, sah Katja total traurig und geknickt aus. Ich fragte sie was los sei und sie erzählte mir, dass sie eine Auseinandersetzung mit Ihrer Mutter hatte und dass sie dabei von ihrer Mutter gewürgt wurde. Es ging wohl wieder um das leidige Thema bezüglich Katjas Begrenzungen durch ihre Eltern und ihren aufmüpfigen Reaktionen dazu. Ich war total erschrocken und fragte sie, ob sie regelmäßig von ihrer Mutter oder ihrem Vater geschlagen oder sogar verprügelt wurde, aber zu meiner Erleichterung verneinte sie dies. Sie sagte nur, dass sie mal vor ein paar Jahren einen ordentlichen Arschvoll bekommen hatte, sie war zu dieser Zeit bereits volljährig. Später, als ich mit Katja persönlichen Kontakt hatte, erfuhr ich von ihr, dass ihr Vater den katholischen Religionsdienstanbieter nutz, was mir einiges, was in Katjas Familie schief lief, erklärte.

Mit der Zeit kam in Katja und mir so langsam der Wunsch auf, dass wir uns mal persönlich treffen könnten. Katja war von meiner Person bzw. meiner alternativen Lebenseinstellung sowie auch den damit verbundenen sexuellen Vorstellungen und Vorlieben sowie meinen Aktivitäten als Grundrechte-Aktivist total fasziniert. Diesbezüglich sprachen wir auch immer öfter über die Ungerechtigkeit, die Katja in ihrem eigenen Elternhaus sowie auch in ihrer Behindertenwerkstatt durchlebte. Ich vermittelte Katja, dass ich mich zwar mit der Problematik der Rechte von behinderten Menschen nicht auskenne, aber das was bei ihr da ablief, mit Sicherheit nicht rechtens war.

Katja lebte aber in einer Kleinstadt in der Nähe von Erlangen, was von Berlin aus nicht gerade um die Ecke liegt. Da war es nicht möglich mal einfach so auf einen Sprung vorbei zu fahren. Katja selbst hatte keine richtige Vorstellung von der Entfernung zwischen ihrer Kleinstadt und Berlin. Ich versuchte Katja dazu zu ermutigen, uns ein schönes Café oder anderen öffentlichen Ort zu suchen, wo wir uns treffen könnten und wo sie sich auch sicher fühlen könne. Sie vermittelte mir aber, dass sie sich bezüglich meiner Person bereits sehr sicher fühlte und dies auch, weil ich ja mit meinen gesellschaftspolitischen Aktivitäten mehr oder weniger stark in der Öffentlichkeit stehe.

Natürlich war auch das BDSM-Thema weiterhin Bestandteil unserer liebe- und lustvollen Gespräche bzw. unseres Austauschs, nur schob sich dieses Thema je mehr wir zueinander fanden immer weiter in die zweite Reihe. Darüber war ich sehr froh, denn ich selber bin kein aktiver BDSMler und bewege mich schon gar nicht in dieser Szene. Ich empfinde die (offene**) BDSM-Szene eher als abstoßend. Wenn ich diese Szene so beobachte, so ist sie für mich mehr eine Ansammlung von Menschen, die dort ihre psychischen Beeinträchtigungen und nicht ihre sexuelle Leidenschaften ausleben.

**) Seriöse mit Glieder*** bzw. dessen meist geschlossenen Gruppen sind nur schwer zu finden.

***) Und natürlich auch die ohne.**** 😉

****) Wer den Witz nicht versteht, kann bei mir gerne etwas Nachhilfe in Verbalerotik einkaufen. 😉

Ich hatte vor vielen Jahren mal in die BDSM-Szene reingeschnuppert, nachdem ich in Kirgistan ein einschneidendes Erlebnis mit einer bezaubernden jungen russischen Dame hatte.***** Nach diesem wundervollen Erlebnis hatte ich meine mich betreffende Sexualität rigoros auf den Prüfstand gestellt und als Ergebnis viele meiner entsprechend falsch anerzogeneN Konditionierungen über Bord geworfen. Ab dieser Zeit hatte ich mir vorgenommen, mich nicht mehr zu verstellen bzw. nur noch erfräuliche Beziehungen einzugehen, die meinen Vorstellungen bzw. sexuellen Vorlieben entsprachen. Ich hatte keine Lust mehr auf Beziehungen, an dessen Ende ich als angeblich „perverses Schwein“ aus dem Haus geprügelt werde.

*****) Auf der Suche nach Lebensalternativen außerhalb Deutschlands bin ich eine Zeit lang ganz alleine in russische Orte gereist, wobei ich dort hin zuvor HERRliche Kontakte zu reizenden jungen Damen geknüpft hatte. Mich hatte es dadurch auch nach Kirgistan verschlagen, wo ich ebenfalls mehrmals war.

Ungefähr seit dieser Erkenntniszeit trage ich übrigens auch meine Halskette mit der Triskele als Symbol. Im „normalen“ Leben weiß so gut wie niemand, dass dieses Symbol u.a. für das BDSM, oder wie ich es immer benenne, für eine „alternative und freie sexuelle Lebenseinstellung“ steht.****** Mit Frauen, die sich aber damit auskennen und dementsprechend offen gegenüber stehen und dies mir gegenüber auch so signalisieren, kann ich mich unbeschwert austauschen bzw. in Kontakt kommen. „Normale Frauen“ fühlen sich durch den „schönen Anhänger“ dagegen nicht belästigt und wenn sie mich aber auf das Schmuckstück ansprechen, kann ich entscheiden, ob ich mich ihnen gegenüber öffne oder besser nicht.

Ich besitze im übrigen zwei Halsketten mit den Triskelen-Anhängern. Ein Kette hat einen schwarzen Anhänger mit etwas silberner Farbe darin und die andere einen rein silberne Farbe. Beide Anhänger trage ich abwechselnd immer passend zur hellen oder dunklen Kleidung bzw. (Ober-)Hemd. Katja gab ich wenn wir unterwegs waren, immer meinen zweite Halskette, die sie natürlich immer voller Stolz trug. Es war ja nun UNSER beider Erkennungszeichen.

******) Den Tipp erhielt ich von einer meiner kurzen BDSM-Liebschaften. Mit der reizenden jungen Dame konnte es leider nichts werden. Ich empfand ihre BDSM-Vorlieben als zu extrem und ich war ihr wiederum als Grundrechte-Extremist wiederum zu lebensextrem. Wir stritten uns oft darüber, ob man sich in unserer Gesellschaft für ein Erwerbseinkommen vernutten (lassen) sollte bzw. muss oder nicht. Sie entwickelte übrigens auf Basis ihrer Studiertheit für ein großes brandenburgisches Vergnügungsunternehmen ein Konzept, um Mitarbeiter zu motivieren, damit sie von sich aus arbeitstechnisch aktiver werden. Ich hätte mich immer vor innerem Lachen in den brandenburgischen Sand schmeißen können, denn einfach faire Löhne zu zahlen und die Persönlichkeit bedingungslos zu achten, wäre für viele Mitarbeiter mit Sicherheit Motivation genug gewesen. (Auch hier wird wieder die Natürlichkeit des Menschen und seiner (minimalsten) Bedürfnisse nicht geachtet bzw. sogar zerstört und dann versucht man wiederum, über Fördermaßnahmen*******, dass zurück zu gewinnen, was zuvor eigenhändig zerstört wurde. In dieser Angelegenheit leidet eine ganze Gesellschaft, und das noch dazu global, an extremer Schizophrenie.)

*******) Davon profitieren wiederum die Fördermittellieferanten bzw. die gesamte Fördermittelindustrie weswegen eigentlich alles in Ordnung ist.

Auf Grund der großen Ängste von Katja vor ihren Eltern, wollte sie sich nicht in ihrer Kleinstadt mit mir treffen. Ein Treffen in einer anderen Stadt in der Nähe war für sie aber auch nicht möglich, da sie fremde Wege, wegen ihrer fehlenden Orientierung, nicht alleine gehen kann. Da ich zu einem ersten Treffen mit meinem Auto hätte kommen können, wäre es aber eine Alternative gewesen, Katja an einem ruhigen Ort abzuholen um dann z.B. auf einen anonymen Parkplatz auf der Autobahn zu fahren. Ein Café oder so in einer anderen Stadt war für Katja auch keine Option. Katjas Ängste, von ihren Eltern erwischt zu werden, auch in dem es ihnen eventuell von anderen Personen zugetragen würde, waren einfach zu groß.

Ehrlich gesagt hat bei der Idee mit dem Parklatz aber schon mein eigenes Kopfkino nicht mitgespielt. Ich bin zwar nur ein Mann aber etwas Romantik möchte ich dann doch auch bei einem ersten Treffen erleben und einer wundervoll reizenden jungen Dame auch bieten. Die Vorstellung mich mit Katja auf einem schmuddeligen Autobahnparkplatz o.ä. heimlich zu treffen, war für mich ein totales NoGo. Aber ich brauchte in diese Richtung auch gar nicht weiter nachzudenken, denn es kam eh alles noch ganz anders.