Kapitel 6 – Prügelnder Frust statt leidenschaftlicher Lust – Teil 1

Auf dem Weg nach Berlin war uns natürlich klar, dass wir am Freitagnachmittag bzw. am späten Abend, wenn wir in Berlin ankommen, (unser Welt-Rettungswagen rettet die Welt mit maximal 90 km/h), nicht mehr viel ausrichten konnten. Ich selbst hatte das Problem, dass ich meine Wohnmöglichkeit in Sachsen-Anhalt gerade aufgegeben hatte und dort nur noch bei einem Freund polizeilich gemeldet war. Meine ganzen Sachen standen derzeit in einer Garage bei den feministischen Frauen in der Nähe von Fürstenwalde, wo ich aber auch ein kleines Übergangsdomizil (ein ganz kleines Zimmer unter dem Dach des ehemaligen Wohnheimes mit Wasch- bzw. Duschmöglichkeiten über den Flur zu erreichen) hatte.

Ich persönlich bin noch dazu Inhaber der Schufa-Gold-Card (die wohl demnächst auf Platin hochgestuft werden soll) wodurch ich kein Wohnrecht auf unserem wundervollen Planeten habe bzw. nur bei entsprechend sozial eingestellten Vermietern oder alternativen Initiativen mit entsprechendem Wohnraum bzw. Unterbringungsmöglichkeiten. Unter solchen Voraussetzungen immer etwas für mich zu finden, ist alles andere als leicht. Wenn ich in Berlin bin, kann ich immer für kurze Zeit bei meiner gesellschaftspolitischen Geschäftspartnerin Frigga übernachten und ansonsten bin ich ja eh ständig auf Achse. Ich bin ja wie bereits erwähnt, ein hyperaktiver Taugenichts.

Ich selbst empfinde es übrigens als sehr diskriminierend, dass ich nicht wie andere Lebewesen kostenfrei auf unserem Planeten verweilen darf, weswegen ich derzeit eine Initiative zur Räumung (nicht nur) aller deutschen Wälder initiiere. Es kann nicht angehen, dass es anderen ohne zu arbeiten gut geht und mir nicht. > Hier < findet man die entsprechenden Informationen zu meiner Gerechtigkeits- bzw. Gleichheitsinitiative*.

*) Ich will auch mal meinen hässlichen inneren Grinch raus lassen und anderen nichts bzw. keine Grundrechte gönnen.

Bezüglich unserer Rückfahrt nach Berlin standen wir noch dazu unter einem gewissen Zeitdruck. Wir waren für Samstagmittag zu einer Kundgebung zum bedingungslosen Grundeinkommen auf dem Berliner Alexanderplatz mit eingeladen. Unsere alternative Planung war deswegen auch, dass wenn die Organisation der Unterbringung von Katja in Erlangen zu lange dauern würde, dass ich dann bei Katja bleibe und erst später nach Berlin zurück fahren würde.

Für das kommende Wochenende stand nun aber auf Grund der gesamten Entwicklung erst einmal fest, dass Katja und ich bei Frigga unterkommen und wir versuchen werden, eine vorübergehende Bleibe für Katja in Berlin zu finden. Ich selbst konnte Katja auf Grund meiner eigenen Wohnsituation keine adäquate Wohnmöglichkeit bieten und ein Hotel oder eine Pension kam aus finanziellen Gründen überhaupt nicht infrage.
Katja war natürlich auch wieder von dieser Entwicklung total begeistert, wobei sie alle unsere Informationen und all die neuen Eindrücke die sie umschwirten aufsog wie ein total ausgetrockneter Schwamm. Es war für mich der pure Wahnsinn dieses querulantische Bündel voller Lebensenergie zu erleben und sie noch dazu auf ihrem völlig neuen Lebensabschnitt partnerschaftlich begleiten zu dürfen. Ich fühlte mich so glücklich, wie ich es schon seit Jahrzehnten nicht mehr kannte. Das war alles ein unbeschreiblicher Balsam für meine eigene mehrfach geschundene und zerfetzte (kindliche) Seele. Katja selbst nahm ich nun auch real als sehr starke Persönlichkeit war.

Zu Frigga baute Katja sofort auch im realen Umgang eine ganz besondere Beziehung auf. Katja hatte Frigga schon vom ersten Moment an und jetzt auch noch real ganz weit in ihr riesengroßes Herz geschlossen. Katja schaute zu Frigga auf, als wäre Frigga einer unwirklichen Traum- oder einer Comicwelt entstiegen. Katja konnte es nicht fassen bzw. glauben, wie souverän Frigga als Frau mit dem Leben bzw. unserer (total bekloppten) Gesellschaft umging. Katja hakte bei bestimmten Dingen immer und immer wieder nach, weil sie es nicht glauben konnte, dass wir diese Dinge ohne jegliche Erlaubnis machten. Katja war oft einfach nur völlig platt und konnte es gar nicht fassen, was sie an unserer Seite erlebte und aus unseren Erzählungen noch dazu hörte.

Aber jetzt wollten wir nach der erfolgreichen Flucht aus Bayern und den ganzen Strapazen erst einmal das Wochenende genießen und uns allesamt richtig bzw. real kennen lernen. Welche Sorgen nun auf mich und auch auf Frigga zukommen würden, da wir Katjas Anwesenheit so in Berlin ja gar nicht geplant hatten, konnte Katja nur ansatzweise erahnen. Wir hatten noch dazu große Angst, dass man uns jederzeit polizeilich aufgreifen und Katja zurück zu ihren Eltern überführen könnte. Das Problem mussten wir auch noch irgendwie lösen.

Bei Frigga zuhause angekommen versuchten wir erst einmal abzutouren und zur Ruhe zu kommen. So richtig leicht war dies aber nicht. Wir waren alle von dem Erlebten und Erreichten sehr ergriffen. Katja redete wie ein Wasserfall und hörte, wie für sie üblich, nicht auf Fragen zu stellen. Wir waren ständig dabei auf alle ihre Fragen, Wünsche und Bedürfnisse, soweit es unter den Umständen ging, einzugehen. Zum Glück war Katja relativ anspruchslos und konnte sich noch an ganz einfachen Dingen erfreuen. So etwas kenne ich von anderen Frauen bzw. Menschen kaum noch.

Als wir in dem Zimmer, welches Frigga extra für uns räumte, alleine waren kuschelten wir uns, Katja und ich, aneinander, nur konnte Katja nicht wirklich zur Ruhe kommen. Bei jedem etwas stärkeren Geräusch, wie z.B. ein Knacken im Zimmer oder eine zuschlagende Tür irgendwo im Haus, schreckte Katja hoch. Katja war immer noch in ständiger Angst- bzw. „hab acht Stellung“, weil sie dachte, das ihre Eltern urplötzlich im Zimmer stehen könnten. Diese immense Angstkonditionierung hatte ich schon sehr oft bei Katja erlebt, wenn wir beide zusammen per Video chatteten. Katja diesbezüglich immer wieder zu beruhigen und überhaupt immer mehr in die Ruhe zu bringen, kostete mich einiges an Kraft und eine ganz schöne Portion ständiger Aufmerksamkeit. Aber es lohnte sich. Nach gut zwei bis drei Wochen stellte sich diesbezüglich endlich mehr oder weniger starke Ruhe ein und Katja fing an sich wirklich zu entspannen.

Katjas Angstzustände waren auf vielen Ebenen sehr präsent. So konnte ich die erste Zeit kaum das Zimmer verlassen, um z.B. in die Küche oder auf die Toilette zu gehen, ohne das sie sogleich in Panik verfiel. Beim schlafen durfte ich ihr nicht den Rücken zu drehen, da sie sich dann sofort alleine bzw. im Stich gelassen fühlte. Bei Katja taten sich Gefühlsbaustellen ohne Ende auf und da ich aber, wenn mich nicht gerade jemand mit dem Hafer sticht, bei so etwas eine Engelsgeduld habe, bereitete mir das entsprechende Kümmern und Umsorgen von Katja sehr große Freude. Ihre bereits vorhandene Zuneigung und ihre enorme Dankbarkeit, für alles was ich bzw. wir bis jetzt bereits für sie getan hatten, war mehr als nur der Mühe wert und wir hatten noch dazu sehr viel vor.

Wir hatten aber immer noch das Problem, das wir irgendwie den Behörden Bescheid geben mussten, dass es Katja gut geht und dass sie aus freiem Willen und ohne Zwang ihr Elternhaus verlassen hatte. Gleichzeitig hatten wir weiterhin große Angst, dass wenn wir uns zu erkennen geben, Katja sofort einkassiert wird. Es war eine Zwickmühle aus der wir irgendwie heraus kommen mussten. Wir hatten inzwischen auch zahllose Ratschläge von Freunden, Mitstreitern und anderen alternativen Auskunftsmöglichkeiten erhalten, aber wir wussten nicht welche Regelungen bezüglich der Vormundschaft von Katja richterlich festgelegt waren. Katja selbst konnte uns dazu auch keinerlei Auskunft geben.

Auf dem Berliner Alexanderplatz steht seit einiger Zeit ein Polizei-Container und wir überlegten, ob wir dort einfach mal nachfragen könnten. Während der Kundgebung am Samstag gingen Frigga und ich dort bei der Polizei vorbei, um zu fragen, wie wir uns in Katjas Fall am besten verhalten könnten. Der liebe Polizist ging sich kurz beraten und sagte uns dann, als er zurück kam, dass sich Katja einfach melden solle. Mehr konnte er uns auch nicht sagen. Das war eine sehr hilfreiche Antwort, die uns aber überhaupt nicht weiter brachte.

Am Montag morgen fingen wir an alle bereits gesammelten Telefonnummern anzurufen um eine Unterbringungsmöglichkeit für Katja zu finden, wobei wir fast nur auf Anrufbeantworter oder bloße Ansagen gestoßen sind. Alle Ansagen hatten noch dazu sinngemäß den selben erschreckenden Inhalt: „Vielen Dank für ihren Anruf. Leider sind wir aber derzeit völlig überlastet. Bitte rufen sie gerne im nächsten Jahr noch mal an.“ Mit dieser Erkenntnis machten wir uns auf den Weg, um vielleicht direkt etwas an bestimmten Orten zu erreichen. Aber selbst wenn wir persönlich vorsprachen, bekamen wir entweder die gleiche Antwort oder die Einrichtung war inzwischen geschlossen.
Sogenannte Obdachloseneinrichtungen kamen für Katja natürlich überhaupt nicht infrage, wobei sich inzwischen auch heraus kristallisiert hatte, dass Katja und ich uns so schnell nicht wieder trennen wolten. Katja hing inzwischen wie eine (süße) Klette an mir, was ich natürlich als sehr angenehm empfand. 🙂

Als wir merkten, dass wir so nicht weiter kamen und ich noch dazu eine Email von dem Polizeihauptkommissar aus Erlangen (mit dem ich bereits bezüglich des Einsatzs in Katjas Behindertenwerkstatt Kontakt hatte) mit der Frage, ob ich wisse wo Katja sei, bekam, fasten wir uns ein Herz und wir riefen ihn zurück. Zuvor hatten wir besprochen, dass, sollte man Katja von uns weg holen wollen, dass wir sie zur Not mit dem Werfen von Wattebällchen* verteidigen würden.

*) Ich darf hier in solch einem Kontext keine Äußerungen wie z.B. „bis auf Messers Schneide verteidigen“ oder ähnliche Ausdrücke verwenden, weil dies (wenn es denn gebraucht wird) als Gewaltandrohung z.B. gegenüber der Polizei und somit der Staatsmacht ausgelegt werden könnte.

Der Herr Polizeihauptkommissar war sehr bemüht die Angelegenheit ohne große Probleme über die Bühne zu bekommen. Er erklärte uns, dass die Polizei nur von Katja persönlich wissen müsse, dass sie freiwillig und ohne jeglichen Zwang die elterliche Wohnung verlassen hatte. Katja könne sich entsprechend der richterlichen Regelungen aufhalten wo sie es möchte, weil sie volljährig ist. Für diese Auskunft von Katja reichte auch ein sofort am Telefon geführtes Gespräch mit dem Polizeihauptkommissar aus, womit diese Angelegenheit sogleich erledigt war und wir alle etwas entspannen konnten. Der Polizeihauptkommissar bat nur noch darum, dass sich Katja wenigstens einmal kurz bei ihren Eltern telefonisch melden solle. Sie machen sich natürlich große Sorgen und würden gerne wenigstens kurz ihre Stimme hören.

Schon vor dem Anruf beim Polizeihauptkommissar flossen bei Katja sehr viele Tränen. Nun wurde es aber noch mehr und wir brauchten eine ganze Weile, bis Katja Mut fasste und mit Friggas Hilfe das kurze Telefonat mit ihrer Mutter führte. Katja wollte partout keinen Kontakt zu ihren Eltern, was wir auf Grund ihres durchlebten Martyriums sehr gut nachvollziehen konnten. Jetzt konnten wir alle endlich richtig entspannen und durchatmen, wobei nun aber fest stand, dass wir, Katja und ich, schnellstens eine Wohnung brauchten. Das würde verdammt schwer werden und uns stand auch schon wieder die Zeit etwas im Nacken, denn Katja brauchte eine polizeiliche Meldeadresse und Frigga mit ihrem Kind konnten wir auch nicht ewig auf der Tasche liegen.

Das Katja übrigens schon seit Jahren völlig frei über ihren Aufenthaltsort bestimmen konnte, wusste Katja selber gar nicht. Katja hätte theoretisch ihr Elternhaus schon seit fast vier Jahren ganz legal verlassen können, nur geht dies schlecht, wenn man darüber zum einen nicht aufgeklärt wird und sich zum anderen auch nicht ohne fremde Hilfe weit weg bewegen kann.

In Berlin bewegten wir uns natürlich fast nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, da ein Auto hier wenig Sinn macht. Für Katja war dies natürlich nicht gerade einfach. Größere Menschenansammlungen und die vollen Bahnen bzw. Busse lösten bei Katja sofort Panik oder Stress aus. Wir gewöhnten uns an, Menschenmengen zu meiden oder zu warten, bis diese z.B. beim Ein- und Aussteigen vorüber gegangen sind. Katja war zwischen ihrer unbändigen Neugierde und ihrer Überlastung hin und hergerissen. Da ich selbst als Urberliner, Berlin nur noch als durchgeknalltes Irrenhaus wahrnehme und für Katja Berlin viel zu stressig war, stand für mich fest, dass wir versuchen würden am Rande von Berlin eine Wohnung zu finden. Ich recherchierte nach Möglichkeiten und wir machten uns alle zwei bis drei Tage auf den Weg um uns mögliche Wohnungen anzusehen bzw. mit den Vermietern zu sprechen. Mal fuhren wir mit der Bahn und mal mit meinem kleinen alten Auto, wenn die Wohnung z.B. nicht direkt in der Nähe eines Bahnhofs lag.

Zu der Überlastung durch die immer hektische und überfüllte Stadt, kamen bei Katja auch noch psychosomatisch Probleme hinzu, die sie laut eigener Aussage aber schon längere Zeit hatte. Katja litt oft an Kopf- und Bauch- bzw. Unterleibsschmerzen und ihre Periode wollte auch nicht richtig periodisch verlaufen. Eigentlich war die Periode bei Katja immer irgendwie präsent. Für uns stand dabei fest, dass dies nicht alleine etwas mit Katjas geistiger Behinderung und ihren psychischen Problemen zu tun haben musste, sondern auch mit dem Stress, den Katja durch ihre Lebensumstände in ihrem Elternhaus sowie in der Behindertenwerkstatt hatte, in denen sie ja wie in einem offenen Strafvollzug gehalten wurde.

Katja war ansonsten ein Bündel voller unbeschwerter Lebensfreude, welches ständig alle Information und Eindrücke in sich rein stopfte. Katja neckte uns sehr gerne und spielte mir vor allem sehr gerne kleine harmlose Streiche oder fing auch an mich ein wenig schelmisch zu provozieren. Katja war in ihrem gesamten Wesen sehr kindisch.

So irgendwo zwischen der ersten und zweiten Woche, wir befanden uns gerade in unserem kleinen Zimmer, welches Frigga ja extra für uns frei gemacht hatte, hockte ich vor Katja, die mich gerade wieder etwas schelmisch provoziert hatte. Wir sprachen über Katjas lustige Provokation, als ich auf einmal und ohne jegliche Vorwarnung mit voller Wucht einen Faustschlag von Katja in mein Gesicht bekam. Ich war in dem Moment völlig perplex und ehe ich mich versah, hatte ich einen zweiten Faustschlag in meinem Gesicht. Reflexartig hob ich meine Arme um mich zu schützen und da trat mir Katja diesmal mit voller Wucht und einer unbeschreiblichen Wut direkt in den Bauch. Ich fiel nach hinten und ging nun schnellstens auf Abstand zu Katja.

Katja hockte vor mir. Sie war unbeschreiblich wütend und weinte wie verrückt. Ihr Gesicht war voller Zorn, total schmerzverzogen. Außerdem machte sie immer wieder Anstalten auf mich zuzukommen, um mich in ihrer Wut und Rage noch weiter zu schlagen. Ich versuchte Katja zu beruhigen, aber sie beruhigte sich einfach nicht, sondern fing an mich wie eine Furie übelst zu beschimpfen. In ihrer unbeschreiblichen Wut und mit einem unbändigen Zorn warf sie mir vor, dass ich sie bestimmt bald alleine bzw. im Stich lassen werde, wie es alle anderen zuvor auch schon mit ihr getan hatten. Sie warf mir in ihrer Wut vor, dass ich sie bestimmt zu ihren Eltern zurückbringen werde, weil ich es ja eh nicht lange mit ihr aushalten würde. Schon vor mir hat es niemand mit ihr lange ausgehalten und ich bin bestimmt auch nicht besser.

Ich versuchte Katja immer wieder zu beruhigen, dass ich sie bestimmt nicht im Stich oder alleine lassen werde. Ich versuchte Katja klar zu machen, dass ich in ihr den fantastischen Engel gefunden habe, den ich schon so lange gesucht habe. Aber es half alles nicht. Katja beruhigte sich einfach nicht und ich wusste nicht so recht, was ich machen sollte. Am liebsten wollte ich sie in den Arm nehmen, um ihr ihre Angst zu nehmen, aber sobald ich versuchte auf sie zuzugehen, wurde sie noch wütender, inklusive erneuter Versuche mich mit weiteren Schlägen zu traktieren.

Prügelattacken von Frauen kannte ich bereits ein wenig. Meine ehemalige Lebensgefährtin, mit der ich sieben Jahre zusammen gelebt hatte, hatte in dieser Zeit zwei mal grundlos auf mich eingeschlagen. Sie kam mit ihren eigenen seelischen Leiden (auf Grund ihres sexuellen Missbrauchs durch ihren Stiefvater) nicht klar. Meine geschieden Ehefrau war Asthmatikerin. Bei ihr musste ich lernen, ihr bei ihren Anfällen immer zügig ihr Spray zu bringen, ohne ihr dabei aber zu nahe zu kommen. Wenn ich ihr bei der Übergabe des Sprays aus Versehen zu nahe kam, bekam ich Faustschläge von ihr in mein Gesicht, weil sie sich durch ihre Atemnot lebensbedrohlich eingeengt fühlte.

Nach einer gewissen Zeit, so schätzungsweise zwanzig bis dreißig Minuten, hörte Katja mit der Androhung weiterer Schläge auf. Sie war aber immer noch total wütend und zornig und weinte weiterhin wie verrückt. Sie hockte in der Ecke auf dem Bett und sah mich mit ihrem wütenden schmerzverzogenem Gesicht und voller Verachtung an. Katja sah dabei aus wie ein total verletztes Tier. Der Anblick war schrecklich und ich konnte nichts tun. Mir tat das Ganze in meiner eigenen Seele unbeschreiblich weh.

Katja versuchte mich zwar jetzt nicht mehr zu schlagen, aber sobald ich versuchte mich ihr zu nähern, schrie sie mich in ihrer verheulten Wut an, dass ich von ihr weg bleiben und abhauen solle. Immer wieder beschimpfte sie mich und machte mir voller Wut alle möglichen Vorwürfe.
Ich blieb jetzt einfach auf Abstand und redete ihr gut zu und dies in der Hoffnung, dass sie sich wieder beruhigte. Nach weiteren guten dreißig oder vierzig Minuten, wurde Katja endlich ruhiger, nur durfte ich immer noch nicht näher kommen. Wenn ich dieses versuchte, stieß sie mich weg oder bewegte sich von mir weg. Ich wartete jetzt einfach ganz in Ruhe neben ihr ab und dies in der Hoffnung, dass ich sie bald wieder erreichen, berühren und in den Arm nehmen konnte.

Katja beruhigte sich inzwischen immer weiter und was dann geschah, zerriss mir das Herz. Katja kam aus ihrem Wutmodus wieder raus und realisierte nun sehr bewusst, was da gerade passiert war. Sie fing herzzerreißend an zu weinen. Sie umklammerte mich, so dass sie mich beinahe zerdrückte. Sie weinte wie eine Schlosshündin und sie fing an sich bei mir wie wahnsinnig zu entschuldigen. Katja weinte weiter mit ihrem schmerzverzogenen Gesicht und sah mir dabei in meine Augen. Immer und immer wieder bat sie mich innigst um Verzeihung. Katja bettelte förmlich um Entschuldigung und dass das alles nicht so gemeint war. Sie flehte mich mit ihrer total weinerlichen Stimme an und versuchte mir klar zu machen, dass das alles nicht mit Absicht geschah. Sie hatte sich während ihres Anfalls überhaupt nicht unter Kontrolle.

Ich selbst hatte Katja ebenfalls fest umschlungen und hielt sie so fest ich nur konnte. Ich versuchte sie weiter zu beruhigen und vor allem versuchte ich ihr ihre Ängste zu nehmen. Jetzt hatte Katja Angst, dass ich sie wegen ihres Wutanfalls verlassen und im Stich lassen würde. Immer und immer wieder bettelte Katja, dass ich sie nicht alleine lassen darf. Ich hielt Katja weiterhin ganz fest. Ich streichelte und küsste sie ganz sanft und gab ihr immer und immer wieder zu verstehen, dass ich sie niemals im Stich lassen und schon gar nicht wieder zurück zu ihren Eltern schicken würde. Katja beruhigte sich immer mehr und entspannte sich langsam wieder. Ich hielt sie weiter im Arm und sie selbst umklammerte mich weiterhin ganz fest.

Ich war wegen des ganzen Geschehens unbeschreiblich traurig. Mir standen ständig die Tränen in den Augen. Wie verletzt musste Katjas Seele sein und welch weiter Weg lag noch vor uns, um all dass wieder ins rechte Lot zu bringen. Ich schloss Katja noch viel tiefer in mein Herz und versprach ihr, dass, egal wie schwer der Weg auch noch für sie bzw. uns werden würde, ich sie niemals alleine und auch niemals im Stich lassen würde.

Fest ineinander verschlungen lagen wir auf unserem Bett. Katja beruhigte sich mit der Zeit völlig und schmiegte sich weiter ganz eng an mich. So lagen wir beide, uns von den gerade erlebten Strapazen erholend, nebeneinander. Seelisch völlig ausgelaugt und körperlich total erschöpft schliefen wir, uns gegenseitig umklammernd festhaltend, ein.