Kapitel 6 – Prügelnder Frust statt leidenschaftlicher Lust – Teil 4

Endlich war das Geheimnis bezüglich Katjas endlosen Schlag-Anfälle gelöst und nun konnten wir ganz gezielt die Lösung dieses Problems angehen. Ich recherchierte sofort im Internet und überlegte welche Ärzte wir mit dieser Problematik aufsuchen könnten. Auf Grund der Komplexität aller gesundheitlicher Probleme und der geistigen Behinderung von Katja, entschieden wir, in der Berliner Charité vorzusprechen. Hier hatten wir die größte Chance, dass alle Heilungsaspekte von Katja bestmöglich abgedeckt werden konnten. Wir wurden in der Charité sofort vorstellig und trotz des Hinweises auf die Dringlichkeit wegen Katjas Gewaltattacken bekamen wir einen Termin erst in drei Wochen. Für Katja war das Betreten des Krankenhausgeländes der pure Horror, da sie ja auf Grund ihrer gesundheitlichen Probleme schon sehr viel Zeit in diversen Krankenhäusern verbracht hatte. Aber Katja war sehr tapfer, wofür ich sie noch noch viel tiefer in mein Herz schloss.

Per Email teilte ich Katjas Eltern mit, dass wir eine weitere Ursache für Katjas psychische Probleme gefunden hatten und dringend ihre ärztlichen Unterlagen benötigen. Ich gebe dabei aber ganz offen zu, dass es ein ganz klein wenig provokant von mir war, dass ich als 54 Jahre alter Mann einem Vater, der den katholischen Glaubensdienstanbieter nutzt*, am heiligen Abend mitteilte, dass seine inzwischen 22 Jahre junge Tochter, die ABSOLUT freiwillig zu mir ins Bett gekrochen war, eine Orgasmusstörung hat. Diese virtuelle Schelte musste aber unbedingt sein, ich konnte nicht anders, da ich innerlich unbeschreiblich wütend darauf war, was er (und seine Frau) seiner Tochter angetan hat. Nur weil Katjas Vater zu faul und zu feige ist seine eigenen seelischen Verletzungen und Traumata aufzuarbeiten, musste Katja nun infolge dessen noch zusätzlich zu ihrer geistigen Behinderung so sehr leiden. Eine Antwort auf meine offene und ehrliche Email erhielt ich nicht, wobei ich diese nach allem, was ich bis dato mit den Eltern von Katja erlebt hatte und noch dazu von ihnen gehört hatte, auch überhaupt nicht erwartete.

*) Laut Aussage von Katja.

Katja hatte zu ihren Eltern und zu ihrer Schwester die ganze Zeit einen ganz losen Email-Kontakt, wobei von Katjas Mutter ganz seltsame Emails ankamen. Die Mutter fragte Katja darin zum Beispiel, ob sie nun vor Weihnachten wieder schöne Filme guckt. Auf die Wünsche und Anliegen, die ihr zuvor von Katja ebenfalls per Email zugesandt wurden, ging keiner der Familienmitglieder ein. Auch zu ihrer Schwester, die wohl ein oder zwei Jahre jünger war (ich kann mich daran nicht mehr richtig erinnern) hatte Katja nur ein sehr oberflächliches Verhältnis bzw. sie auch zu ihr. Mir kam es vor, als ob Katjas gesamte Familie überhaupt keine Empathie für Katja und vor allem auch nicht für ihre seelische Problematik hatte. Ich hatte es hier wohl mit einer geistig gestörten Gefühlsmonster-Familie zu tun und Katjas unbeschreiblich desolater Seelenzustand und ihre körperlichen Probleme, waren lediglich(!!!) eine logische Konsequenz daraus.

Katja hatte inzwischen so tolle Fortschritte gemacht und arbeitete richtig bewusst an sich. Ich war unbeschreiblich stolz auf MEINE Katja und gleichzeitig hatte sie den großen Wunsch, sich endlich im Bereich des BDSM mehr oder weniger stark ausleben zu können. Wir hatten diesbezüglich ja schon viel darüber gesprochen und uns über entsprechende Phantasien ausgetauscht, die uns beiden sehr viel Spaß machen würden. Wir hatten sehr viele entsprechende Vorlieben, die sich auf Basis diverser Lustgeilheiten gegenseitig wundervoll ergänzten.

Im Zimmer in der Wohnung von Frigga konnten wir uns überhaupt nicht ausleben bzw. es nur mal ansatzweise versuchen. Das war aber eher eine Quälerei, weil uns Frigga oder ihr Sohn ständig überraschen konnten. Außerdem hatte Frigga oft auch Besuch von einer obdachlosen Mitstreiterin, die hier für sich kochen und sich bzw. ihre Wäsche waschen konnte. Wir hatten in Friggas Wohnung eigentlich nie Ruhe und schon gar keine wohltuende Privatsphäre.

Auf Grund der ganzen fantastischen Entwicklungen rund um Katja und das wir wohntechnisch so sehr blockiert waren, entschied ich mich für etwas, was ich eigentlich erst viel später vorhatte. Ich wollte eigentlich, dass sich unsere Beziehung erst noch weiter festigt und außerdem wollten wir endlich die Betreuung und die damit verbundene Vormundschaft von Katja in neutrale Hände gelegt haben. Katja und ich hatten uns vorgenommen, sehr offen mit einer entsprechenden Betreuerin umzugehen, was zum einen die gesamte sexuellen Problematiken und Beeinträchtigungen von Katja angingen und zum anderen auch bezüglich Katjas sexueller Neigungen und Wünsche. Ein entsprechend offener und somit toleranter Umgang war mit Katjas Eltern absolut nicht denkbar. Wenn man überlegte, wie sehr sie bereits Katjas Entwicklung geschädigt hatten und welche psychischen und psychosomatischen Folgen dies alles auch schon bei Katja hervorgebracht hatte, hofften wir nun auf einen schnellen Betreuerwechsel. Dies konnte aber erst vonstatten gehen, wenn wir eine Wohnung und die damit verbundene behördliche Zuständigkeit hatten.

Für mich war auch wichtig, dass Katja unbedingt eine Frau als Betreuerin bekam, die noch dazu alternativ oder „modern“ eingestellt war. Wir wollten, wie gesagt, absolut offen mit der gesamten Problematik und somit auch mit Katjas BDSM-Wünschen usw. umgehen. Außerdem war es mir sehr wichtig, dass Katja eine weibliche Absicherung als (relativ) neutrale Kontrollinstanz für ihren weiteren (sexuellen) Lebensweg bekam.

Um Katja für ihren weiteren schweren Weg Mut zu machen und anzuspornen und weil sie sich selbst so viel Mühe gab, entschied ich, dass wir mal in Berlin einen BDSM-Shop besuchten, an dem auch eine BDSM-Bar mit angeschlossen war. In diesem Berliner BDSM-Handel konnte man z.B. Peitschen* und alle möglichen Fetischartikel usw. lustvoll käuflich erwerben. Ich kannte diese Einrichtung durch eine frühere BDSM-Freundin, wobei der damalige Besuch schon ein paar Jahre zurück lag.

*) Ich selbst bin überhaupt kein Peitschen-Fan. Ich verheddere mich immer in den scheiß Dingern. 😉

Katja war von dem Shop und der Bar natürlich total begeistert und am liebsten wäre sie gleich dageblieben. Das ging natürlich nicht und wir entschieden uns dazu, mal an einem Kennenlernnachmittag teilzunehmen. Da sich Katja in dem Etablissement sehr wohlfühlte und wir auch mit dem Betreiber sehr offen bezüglich Katjas geistiger Behinderung umgehen konnten, entschieden wir uns, einmal die BDSM-Bar zu besuchen.

Nicht nur in Bezug auf meine bereits (frei bestimmt) begonnene sexuelle Assistenz für Katja, hatten wir einen Tipp bezüglich einer sogenannten Teilhabeberatung erhalten. Dies ist ein neues Konzept, um behinderten Menschen die Teilhabe am „normalen“ Leben besser zu ermöglichen. Behinderte Menschen können entsprechend des für sie ermittelten Bedarfs ihre Assistenten frei wählen und diese werden dann aus dem entsprechenden Bedarf bezahlt. Auf diese Art und Weise wird behinderten Menschen kein falscher „Dienstleister“ übergeholfen. Mich bzw. uns sprach das Konzept sehr an und ich selbst fühlte mich noch dazu in meiner eigenen Vorgehensweise, als „sexueller Assistent“ für Katja mehr als bestätigt.

Inzwischen war der Abend ran, an dem Katja und ich die BDSM-Bar besuchen wollten. Viele Menschen denken beim BDSM immer nur an das Auspeitschen oder an andere lustvolle Gewalttaten, sowie an Lack, Leder und Latex. Ich mag all diese Dinge überhaupt nicht, sonder mag vor allem bei Frauen die Natürlichkeit. Deswegen hatte Katja immer auch die passende Kleidung dabei und sogleich nicht an. Katja fand meine entsprechende Vorliebe bzw. Neigung auch absolut erregend bzw. passte dies zu ihrer eigenen animalischen Vorliebe bzw. Neigung.

Katja machte der Abend sehr viel Spaß, wobei wir aber eigentlich nur anwesend waren und das ganze Ambiente beschnupperten. Katja war wie im siebenten Himmel, denn endlich wurde ihr größter Traum war. Katja konnte endlich anfangen ihren lang ersehnten Wunsch auszuleben und ich wollte damit noch dazu erreichen, dass sie weiter hoch motiviert an sich arbeitete.

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass es (nicht nur) in solchen Fällen wie bei Katja sehr wichtig ist, die psychische Störung „kontrolliert“ auszuagieren. So wird das (weitere) immense seelische Aufstauen verhindert, wobei im Gegenzug unbedingt dem ganzen auch therapeutisch entgegen gewirkt werden muss. Auf dieser Basis kann man dann ganz behutsam daran arbeiten, dass die betroffene Person ganz allmählich aus ihrer immense seelischen Störung heraus geführt wird. Und genau diesen Weg bzw. dessen Anfang hatten wir nun bei Katja geschafft, denn inzwischen hatten wir auch die ersten Informationen dazu von der Teilhabeberatung per Email erhalten, die wir in Frankfurt an der Oder bereits aufgesucht hatten.

Ich wollte natürlich, dass Katja an diesem HERRlichen Abend auf keinen Fall überfordert wird, denn sie kannte in ihrer, von ihrer psychischen Störung (an-)getriebenen sexuellen Erregtheit, absolut keine Grenzen. Sie hätte (fast) alles gemacht, wenn Mann sie gelassen hätte und dies wäre eine Katastrophe. Und genau darum geht es ja bei der Absicherung eines devoten Parts beim BDSM. Wenn man seinen Partner sehr gut kennt, weiß man was man ihm zutrauen darf und was auf keinen Fall und was er überhaupt möchte und vor allem absolut nicht. Diesbezüglich standen Katja und ich in unserer Beziehung natürlich noch ganz am Anfang und wir wollten es weiterhin ganz langsam angehen bzw. weiterführen.

Katja fühlte sich sehr wohl unter den fremden Menschen. Sie wunderte sich vor allem aber darüber, warum alle anderen sich ganz normal verhielten und sie zwar als unbeschreiblich reizvolle, nicht aber als besondere Attraktion ansahen. Im Laufe des Abends erregte Katja dann aber doch bei einem Mann reges Interesse. Er stellte sich als „Schlagendes Tier“*** vor und das er bekennender und aktiver Sadist sei. Er zeigte uns auch seinen entsprechenden Werkzeugkoffer mit den verschiedensten schlagenden Argumenten. Katja war total begeistert, wobei es mich persönlich eher abschreckte, da all diese Dinge in dieser überzogenen Intensität so gar nicht meine Passion sind.

***) Das Pseudonym ist in Anlehnung an seinen wirklichen tierischen Namen geändert.

Aber als sexueller Assistent ist es ja nicht meine Aufgabe alles zu können oder gar zu mögen, sondern entsprechende „Unter-Dienstleister“ zu finden, die bestimmte Aufgaben, die ich nicht übernehmen und somit auch nicht liefern kann, übernehmen, wenn es denn, wie es z.B. bei Katja der Fall war, gewünscht wurde . Das war aber erst einmal nur so ein Hintergedanke, den ich aber schon eine Weile in mir trug. Um diesen Weg konsequent und (auch gesetzlich) abgesichert weiter zu gehen, brauchten wir endlich den Betreuerwechsel für Katja, damit wir uns in diese Richtung voll hätten öffnen können.