Kapitel 5 – Katjas Hilferuf und die Flucht aus dem offenen Strafvollzug

Mit Katja war der Kontakt bzw. der Austausch jetzt noch herzlicher und intensiver. Auf beiden Seiten war das Vertrauen immens gewachsen und der Austausch basierte nun auf gemeinsamen „realen“ Zielen und nicht mehr nur auf dem Austausch von erfräulich HERRlich erregenden schmutzigen Phantasien.

Ein paar Tage nach dem polizeilichen Vorfall in der Behindertenwerkstatt hatte Katja ein Gespräch zwischen ihren Eltern mitbekommen. Sie hörte nicht viel. Nur einen Satz bekam sie mehr oder weniger gut mit: „Jetzt ist es wohl so weit!“ und ihre Mutter weinte bei diesem Gespräch. Katja wusste nicht was der Satz bedeuten sollte. Sie wusste nur, dass die Eltern bezüglich ihrer Person etwas vorhatten. Aber sie wusste (wie üblich) nicht was.

Es verging eine gewisse Zeit, ich weiß nicht mehr wie lange, da berichtete mir Katja wieder völlig aufgelöst und aufgeregt, dass sie ein Gespräch mit ihrer Mutter hatte. Katjas Mutter bereitete sie darauf vor, dass demnächst jemand zu ihr kommen würde um sie zu begutachten. Das Gutachten wäre für eine Pflegestufe, um Katja auf dieser Basis in einer Einrichtung unterzubringen. KATJA BEKAM PANIK!!!

Mir gelang es aber Katja mehr oder weniger zu beruhigen, da ja die Mühlen der Behörden zum Glück langsam mahlen. Gleichzeitig wusste ich aber von Katjas Erzählungen, dass Katjas Mutter wohl früher in einer karitativen Einrichtung gearbeitet hatte. Wir wussten nicht inwieweit dieser Umstand die gesamte Angelegenheit beschleunigen könnte. Uns war nur klar, dass wir nun gegen die Zeit arbeiteten. Unsere größte Angst war dabei, dass Katja im schlimmsten Fall in eine Einrichtung kommt, wo sie noch mehr begrenzt würde. Katja würde dann eventuell gar nicht mehr online gehen können oder ohne Erlaubnis telefonieren. Uns war allen überhaupt nicht wohl bei all diesen Gedankengängen.

Aber wie es der Zufall so wollte, entwickelte sich bei uns in Berlin eine Möglichkeit, diese Angelegenheit im Sinne von Katja auf eine andere Art und Weise zu klären bzw. zu beschleunigen. Im Rahmen unserer Initiative „Grundeinkommen für alle* hatten wir gerade das Projekt „Naturgegebenes Grundeinkommen“ gestartet. Bei diesem Projekt geht es darum, dass wir einfach die Sonne für unser aller Grundeinkommen arbeiten lassen. Die Sonne beschenkt uns reichlich und wenn wir die Gewinne aus der Nutzung (nicht nur) dieser Naturressource nicht mehr weiter nur privatisierten oder kommunalisieren, sondern endlich sozialisieren, könnten wir alle miteinander ganz entspannt leben, denn… wir.haben-genug.de***

*) Finanzieller Träger der Initiative „Grundeinkommen für alle“ und all seiner Unterprojekte ist die „BGE-Lobby (g)UG (haftungsbeschränkt) Gesellschaft zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens“, die zwei Frauen (Frigga und eine weitere Mitstreiterin) extra (als 1-Euro-Jobberin mit je einem Euro) vor ein paar Jahren gegründet haben. Ich bin einer der ehrenamtlichen Geschäftsführer der inzwischen sogar (sehr) gemein und nützigen Unternehmergesellschaft und behalte mir meine Ideenrechte** vor, in dem die Internetdomainen der entsprechenden Projekte auf meinen Namen laufen. Einige meiner Ideen schütze ich noch dazu, auch auf Grund meiner mannigfaltigen sehr negativen Erfahrungen, urheberrechtlich per Prioritaetsnachweis.

**) Wir werden oft gefragt, warum wir kein Verein oder so für unsere gesellschaftspolitischen Aktivitäten gegründet haben. Wer aber weiß, wie unfair und unsozial es in und zwischen den meisten sogenannten „sozialen Initiativen“ bzw. entsprechenden Vereinen zugeht, stellt diese Frage erst gar nicht.

***) Ich habe lediglich die Domain reserviert und die Subdomain eingerichtet sowie das Video eingebunden. Der Beitrag selbst ist nicht von mir, aber IMMER wenn ich mir das Video ansehe, breche ich auch wieder in Tränen aus. Wie entspannt könnten wir ALLE zusammen leben, wenn die Menschen lernen würden, los zu lassen – „Hinzugewinnen durch loslassen“ ist deswegen auch meine oberste Lebensdevise, was ich aber auch erst einmal selber lernen musste.

Von der Idee, unser aller Grundeinkommen aus dem Verkaufserlös von Solarenergie zu generieren, war der Geschäftsführer eines Unternehmens, welches (Balkon-)Solaranlagen vertreibt so sehr begeistert, dass wir von ihm ordentliche Unterstützung bekamen. Es bahnte sich aus diesem Grund ein Besuch in der Nähe von München an und die Kleinstadt in der Katja in der Nähe von Erlangen wohnte, lag mit einem kleinen Abstecher beinahe auf dem Weg. Wir könnten somit auf dem Rückweg bei Katja vorbeifahren und wenn sie es wünschte, würden wir Katja einsammeln und in ein Frauenhaus oder ähnliche Einrichtung in Erlangen oder Umgebung bringen, wo sie erst einmal sicher sein könnte, dass sie von ihren Eltern nicht weggesperrt werden würde.

Mit zwiespältigen Gefühlen, ob wir wirklich soweit gehen sollten, vor allem weil wir auch die gesetzlichen Grundlagen die Katja und ihre Vormundschaft betrafen überhaupt nicht kanten, unterbreitete ich Katja die Idee, sie von Zuhause wegzuholen und in ein Frauenhaus oder ähnliches in Erlangen zu bringen. Wie zu erwarten war Katja von der Idee Feuer und Flamme auch wenn sie vor diesem Schritt Heidenangst hatte. Katja versuchte ich zu vermitteln, dass wir uns nun in gesetzliche Grenzbereiche begeben, die uns im schlimmsten Fall aller Fälle ins Gefängnis bringen können. Zum Glück ist dieser sportliche Teil unserer Grundrechtearbeit aber ein Hobby von uns, nur brauchten wir jetzt eine adäquate Absicherung, damit sich unserer Unterstützung für Katja nicht im schlimmsten Fall aller Fälle ins Gegenteil verkehren würde und uns allen böse auf die Füße fallen könnte.

Katja bat ich mit ihren eigenen Worten einen Hilferuf aufzunehmen und mir die Datei dann zu schicken. Ich erklärte Katja auch sehr geduldig, warum es ihre eigenen und keine von uns vorgegebenen Worte sein durften, damit ihr Hilferuf auch wirklich so authentisch wie er von ihr gemeint war rüber kommt. Katja schickte mir daraufhin eine Audiodatei, dessen Inhalt mich, und dies noch in Kombination mit ihrer wundervoll lieblichen Stimme, einfach nur glücklich machte. Ich war unbeschreiblich stolz auf MEINE Katja.

Hilferuf von Katja R.***

Weil die Aufnahme sehr leise war und mir ja als pensionierter Hartz-IV-Empfänger eh die Faulheit im Gesicht geschrieben steht, hatte ich keine Lust den Signalpegel der Aufnahme selber zu erhöhen. Ich bat Katja noch mal eine zweite Aufnahme zu tätigen und auch diese mir wieder zuzusenden.

Hilferuf von Katja R.***
(Zweite Aufnahme)

***) Katjas Stimme ist natürlich (leider) verfremdet, um ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren und das mit der Faulheit ist natürlich alles quatsch. Mir machte es riesigen Spaß Katjas Wiss- und Lernbegierigkeit zu fördern und für die eigene Freiheit muss man auch schon selber mal was tun. 😉
Die Original Audiotateien können bei mir natürlich eingehört werden.

Für diese fantastische Zuarbeit als mögliche Absicherung hatte ich auch schon eine weitere Überraschung für Katja in petto. Ich teilte Katja mit, dass wir sie mit unserem Welt-Rettungswagen (ein Krankentransporter älterer Bauart, den ein weiterer Mitstreiter für unsere gesellschaftspolitischen Aktivitäten beisteuerte) abholen werden. Außerdem teilte ich Katja mit, dass auch noch eben jener Besitzer**** des Wagens selbst, als weiterer sehr eloquenter Grundrechte-Aktivist, mit dabei sein wird. Katja war vor lauter Freude kaum noch zu halten, denn nun merkte sie, dass wir immer weitere Mitstreiter in ihre Rettung und die Aktivierung ihres neuen Lebens mit einbezogen. Ich erklärte Katja, dass wir aber keine feste Gruppe sind und auch keine festen Mitglieder haben. Ich erläuterte ihr spaßig, dass wir lediglich eine lose Gruppierung von Mitstreitern bzw., dass wir der alleroberste Generalzentralverband der nicht-teamfähigen Menschen sind.

****) Der FÜHRER des Transporters bin aber, auf Grund meiner Vergangenheit als Berufskraftfahrer und meiner Leidenschaft, alles fahren zu müssen, was mindestens zwei Räder hat*****, meisten ich.

*****) Die Stützräder z.B. von meiner ehemaligen 750 Honda nicht mitgezählt. 😉

Wir lachten beide herzhaft, nachdem ich ihr ein wenig mehr die Hintergründe meiner Witzeleien erklärte hatte und wie wieder für sie üblich, fragte sie mich auch jetzt wieder kürbisgroße Löcher in meinen Bauch. Es machte mir auch jetzt wieder riesigen Spaß, ihr all ihre Fragen zu beantworten und wenigstens ihre Neugierde zu befriedigen. Wir hatten inzwischen Gesprächsstoff ohne Ende und die sonst so starke sexuelle Energie von Katja, mit der ich online oft nur sehr schwer umgehen konnte, ging bei Katja noch dazu merklich zurück. Dies erleichterte mir die Kommunikation mit ihr sehr.

Mit der Zeit fiel mir dagegen aber auf, dass Katja, je mehr Stress sie hatte, auch sexuell aktiver und fordernder war. Gerade wenn es viel Klärungsbedarf gab, hatte sie nur eins im Kopf, was oft nicht gerade sehr hilfreich bzw. völlig unpassend war. Diese Beobachtungen half mir aber später ein sehr großes Katja betreffendes Rätsel zu lösen.

Die nächsten Tage sprachen wir natürlich immer wieder über unser erstes Treffen und darüber, dass sie ihr Elternhaus bald verlassen würde. Katja war ständig total freudig erregt und aber auch voller Angst. Die Ängste betrafen aber nur ihre Eltern und deren Reaktion, die mit Sicherheit kommen wird. Angst, mit mir oder uns dreien mitzufahren, hatte Katja dagegen überhaupt nicht. Wir zählten ab jetzt die Tage bis zu unserem Flüchtlingstreffen, die so gar nicht vergehen wollten. Katja bohrte mir jeden Tag, mit ihren oft auch niedlichen Fragen, weiter viele Löcher in meinen Bauch, der bei mir noch dazu inzwischen voller Schmetterlinge war. Wieder versuchte ich ihr alles was auf uns zukommen könnte so ausführlich und vorausschauend wie möglich zu erklären.

Und dann kam er langsam immer näher. Der Tag an dem Katja von ihren Eltern flüchten wollte. Katja war total aufgeregt und versuchte alles immer wieder im Kopf durchzuplanen. Sie wollte gerne ihr Tablett mitnehmen, was ihr sehr wichtig, aber auch ein großes Risiko, war. Zusätzlich zu den elterlichen Kontrollen und Durchsuchungen bestand die Gefahr, dass es in der Behindertenwerkstatt entdeckt werden könnte. Diese Entdeckung würde dann aber auch ihre Fluchtpläne offen legen, da sie absolutes Verbot hatte, ihr Tablett außer Haus mitzunehmen. Und dies alles würde dann Ärger ohne Ende geben. Katja war deswegen total aufgelöst und aufgedreht, wobei sie gleichzeitig wusste, dass sie am Fluchttag total ruhig und normal wirken musste, wenn alles klappen sollte. Katja war schon im Vorfeld ihrer Flucht fix und fertig aber auch total glücklich.

Am Freitag, den 25. Oktober 2019 war es dann soweit. Wir wollten uns nach ihrem Feierabend hinter der Bibliothek im Zentrum ihrer Kleinstadt treffen. Dieser Treffpunkt lag auf Katjas Weg von der Werkstatt nach Hause und die Bibliothek besuchte sie eh ab und zu. Wir selbst waren mit unserem Welt-Rettungswagen bereits seit dem Vormittag in Katjas Kleinstadt. Wir trafen uns in dieser Zeit mit einer Familie, die Zufällig in der Region Urlaub machte. Diese Familie war ebenfalls von unserer solaren Grundeinkommens-generierungsidee total begeistert, so dass sie einen beträchtlichen Betrag zur Anschaffung von Solaranlagen spenden wollten. (Mit diesem Geld konnten wir inzwischen sehr gut durchstarten und auch die ersten Erfahrungen sammeln.) Wir hatten somit schon am Vormittag einen großen Erfolg und wenn Katja nun auch noch wirklich auftauchen und mit uns kommen würde, wäre es nicht nur ein weiterer fantastischer Höhepunkt des Tages, sondern ich würde im siebenten Himmel schweben.

Wir drei schauten ständig auf die Uhr und waren total aufgeregt. Wird Katja kommen? Oder bekommt sie im letzten Moment doch Angst bezüglich ihrer Fluchtpläne? Wird alles glatt gehen oder etwas schief laufen? Wird Katja im schlimmsten Fall erwischt und was machen wir dann? Wir konnten Katja dann nicht einfach im Stich lassen und mit ihren Eltern, die Katja auf Basis ihrer emotionalen Unfähigkeit so dermaßen entwerteten, wollten wir absolut keinen Kontakt haben. Die Minuten vergingen und die Zeit schien still zu stehen. Ab und an kamen Leute vorbei geradelt. Wir wussten, dass Katja mit ihrem Fahrrad kommen würde. Immer wieder radelte jemand vorbei, aber es war nicht Katja.

Aber nun radelte eine junge Frau auf den Fahrradständer neben dem Eingang zur Bibliothek zu und schloss das Fahrrad dort an. Sie hielt danach einen Moment inne und kam auf uns zu. Wir standen etwas versteckt seitlich hinter dem Haus. Beim gehen nahm die junge Dame den Fahrradhelm ab und jetzt konnte ich sie live sehen. ES WAR KATJA. Sie kam auf uns zu. Da kam (m)ein Engel auf uns zu. Mir standen die Tränen in den Augen und ich hatte trotz meines gestandenen Alters total weiche und schlottrige Knie.

Wir begrüßten und umarmten uns alle herzlich und liefen dann zügig zum Ende des Parkplatzes weit hinter dem Haus, wo unser Welt-Rettungswagen stand. Katja und ich stiegen hinten und Frigga, sowie unser persönlicher Chauffeur, stiegen vorne ein. Wir fuhren zügig los und machten uns wie geplant aus dem Staub bzw. auf den Weg in Richtung Erlangen.

Da wir alle auf Grund unserer Tätigkeit als Vollfreizeit-Berufsquerulanten nur wenig Tagesfreizeit hatten und wir auch nicht wussten, ob Katja wirklich kommen bzw. ob alles bezüglich ihrer Flucht klappen wird, hatten wir zuvor noch keine Recherchen nach einem Frauenhaus oder anderen Möglichkeiten in Erlangen getätigt. Wir waren uns sicher, schon irgend etwas zu finden.
Frigga telefonierte wie verrückt. Sie recherchierte beim Fahren im Internet, rief Freunde bzw. andere Mitstreiter an um sich weitere Tipps zu holen und rief eine mögliche Stelle nach der anderen an. Frigga telefonierte unentwegt und wir bekamen immer neuere Erkenntnisse und auch Angebote für vermittelnde Gespräche zwischen Katja und ihren Eltern, was uns aber in der aktuellen Situation nicht wirklich weiter half.

Nach einer gewissen Zeit mussten wir leider feststellen, dass wir keine Möglichkeiten bei freien Initiativen bzw. Trägern, sondern wenn überhaupt nur bei staatliche Stellen fanden. Inzwischen hatten wir noch dazu die Info bzw. die Warnung erhalten, dass für Fälle wie bei Katja bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr wohl das Jugendamt zuständig sei. Auch wenn wir dieses nicht wirklich überprüfen konnten, war uns aber klar, dass, wenn wir Katja in eine staatliche Einrichtung bringen würden, es sehr schnell dazu kommen könnte, dass Katja umgehend zu ihren Eltern (als ihr gesetzlicher Vormund) zurück geführt wird. Das wollten wir auf jeden Fall verhindern und so beratschlagten wir was wir tun könnten und es blieb aber eigentlich nur eines übrig. Wir nehmen Katja mit und fahren alle gemeinsam nach Berlin. In Berlin kannten wir nicht nur vom Namen her mehrere Möglichkeiten und so waren wir frohen Mutes, das Problem um Katjas neutrale Unterbringung in Berlin bewältigen zu können.

Katja war von der Idee natürlich sofort total begeistert und so machten wir uns auf den Weg nach Bärlin, um dort über das Wochenende nach alternativen Initiativen bzw. freien Trägern zu suchen. Katja und ich waren uns auch in der realen Welt sofort unbeschreiblich sympathisch und es bereitete mir große Freude, dieses wundervolle Wesen in meinen Armen zu halten und auf alles was sie tat oder fragte usw. einzugehen. Katja freute sich noch dazu, dass sie nicht alleine in einer Einrichtung in Erlangen oder Umgebung bleiben brauchte, sondern bei uns dreien, denen sie ja inzwischen absolut vertraute, verweilen durfte. Katja war total glücklich und aufgedreht und ich schwebte wie erhofft auf Wolke sieben(-tausendsiebenhundertsiebenundsiebzig).