Kapitel 07 – Wie sich psychische Störungen gegenseitig ambivalent anziehen – Teil 4

Inzwischen hatten wir die wichtigen Gespräche in Bezug auf die Übernahme unserer Wohnung bereits hinter uns gebracht und wir konnten nun endlich, wie so lange ersehnt, unsere eigene Wohnung in Eisenhüttenstadt beziehen. Die Eltern von Katja lehnten eine vertragliche Mitverantwortung für die Wohnung ab*, wobei mir dies sehr recht war, damit sie als Noch-Vormund von Katja auf unsere Wohnung keinerlei Zugriffs- bzw. Zutrittsrechte hatten. Ich übernahm somit den Mietvertrag alleine und wir kümmerten uns zügig aber in der für uns trotzdem langsamen gemeinsamen Geschwindigkeit, darum alle Anmeldungen über die Bühne zu bekommen (Polizeiliche Anmeldung, Sozialamt für mich, Arbeitsamt für Katja, wobei wir nicht wirklich wussten, welches Amt eigentlich für Katja zuständig war und die Betreuungsbehörde die ebenfalls in Beeskow, ca. 35 Kilometer weit entfernt von Eisenhüttenstadt, ansässig war).

*) Das versuchte die etwas korpulentere junge Dame in der sozialen Einrichtung, die direkt an einer Haltestelle in Fürstenwalde lag, hin zu bekommen.

Auf Grund eines Hinweises von der Betreuungsbehörde, suchten wir umgehend einen Betreuungsverein in Frankfurt an der Oder auf und fanden auf Anhieb auch sofort eine mögliche Betreuerin für Katja, mit deren Hilfe wir Katja nun endlich zügig in die nun schon so lang ersehnte neutrale Betreuung bekommen konnten. Die junge Dame war unbeschreiblich nett. Sie konnte sich sofort in Katjas Probleme hinein versetzen. Auch sie glaubte, dass ein Großteil von Katjas psychischen Problemen auf eine mögliche sehr restriktive Erziehung durch Katjas Vater zurück zu führen sei. Katja strahlte über ihr ganzes entzückendes Gesicht. Sie war unbeschreiblich glücklich, dass der Betreuungswechsel nun alsbald von statten gehen sollte. MEINE Katja schwebte mal wieder, so wie ich sowieso schon ständig, auf Wolke sieben.

Wir mussten uns außerdem um den Transport meiner persönlichen Sachen von dem erfräulichen Wohnheim in der Nähe von Fürstenwalde nach Eisenhüttenstadt kümmern. Dazu und auch für die Fahrten nach Beeskow konnten wir zum Glück wieder mal den Welt-Rettungswagen nutzen, den wir uns vom eigentlichen Besitzer für etwas längere Zeit ausleihen konnten. Katja half nach Kräften bei der ersten Runde ordentlich mit, wobei ich von der gesamten Belastung langsam ganz schön ausgelaugt und auch etwas genervt und gereizt war. Ich hätte zu der Zeit eigentlich dringend einmal eine kurze eine Pause bzw. Auszeit gebraucht.

Das absolut Wundervolle war noch dazu, dass wir nun mit der eigenen Wohnung endlich auch eine eigene Privatsphäre hatten und somit auch anfangen konnten unseren sexuellen Traum, den Katja so heiß ersehnte und den ich ebenfalls so unbeschreiblich gerne mit ihr ausleben wollte, losleben konnten. Natürlich mussten wir viel Rücksicht auf Katjas körperliche und psychische Probleme nehmen, aber uns war Beiden mehr als klar, dass diese nicht so einfach von alleine weggehen würden bzw. der therapeutische Weg und der damit einhergehende Heilungsprozess, Jahre brauchen wird. Aber Katja und ich waren alles andere als entmutigt, da wir beide inzwischen ein fantastisch eingespieltes Team waren und wir jedes Problem zwar langsam aber Schritt für Schritt aus der Welt schafften. Ich war unbeschreiblich stolz auf das, was wir trotz aller widrigen Umstände erreicht hatten und ich wurde noch dazu immer stolzer auf MEINE Katja. Außerdem war ich der Wohnungsbaugesellschaft in Eisenhüttenstadt unbeschreiblich dankbar, dass sie uns völlig unkompliziert und uneigenützig geholfen hat. Ohne diese Hilfe wären wir an dem Wohnungsproblem mit Sicherheit früher oder später gescheitert oder sogar unsere HERRliche Beziehung daran zerbrochen.

Katja konnte nun endlich den ganzen Tag in unserer neuen Wohnung ohne ihre vorhandene Fetischkleidung rum springen und ich konnte sie die meiste Zeit wie ebenfalls von ihr gewünscht in einer Art „Bodenhaltung“ in unserer Wohnung halten, oder etwas moderater außerhalb der BDSM-Sprache ausgedrückt, beherbergen. Dies war Teil ihres sexuellen Fetischs und auch ein gewisser Teil meiner holden Gelüste und somit Teil unseres geplanten 24/7-Lebens, was wir beide kontrolliert und sehr bewusst ausleben wollten. Ich war voller Hoffnung, dass nun alles anfängt richtig gut zu laufen, denn auch der Termin im Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin in der Berliner Charité stand für Mitte Februar an. Dann würden wir eventuell endlich Antworten und Möglichkeiten bezüglich der Schlag-Anfälle von Katja benannt bekommen.

Aber es kam alles ganz anders, denn jetzt gab es zwei immer größer werdenden Probleme. Das eine war, dass sich die Kampfarena für Katjas Wutattacken vergrößert hatte und dass andere Problem war das Schlagende Tier. Er war beinahe rund um die Uhr mit Katja (außer wen sie schlief) in virtueller Verbindung.

Unsere neue Wohnung hatte drei Zimmer und einen geräumigen Flur sowie ein kleines Badezimmer. Zwischen dem wundervoll großem Wohnzimmer und der Küche befand sich eine sehr große Durchreiche (ca. zwei Meter breit und ein Meter fünfzig hoch). Wenn ich in der Küche stand und Katja sich im Wohnzimmer befand, kamen auf einmal Gegenstände durch die Durchreiche geflogen. Katja feuerte sehr gezielt auf mich und versuchte mich aber nicht nur mit dieser Handlung zu provozieren. Katja griff auch wieder gezielt nach meinen technischen Geräten um sie durch die Gegend zu werfen, die ich dann wie üblich immer wieder schnell in Sicherheit bringen musste.

Das Problem dabei war, dass ich Katja durch die große Wohnung nicht immer im Blick und somit schlecht unter Kontrolle hatte. Katja provozierte oft auch extra dann, wenn ich nicht in ihrer Nähe war. Auch hatte ich große Angst alleine auf den Balkon zu gehen, da Katja hinter mir die Tür hätte schließen können, so dass ich auf dem Balkon dann ausgeschlossen wäre. Ich war unter ständiger Anspannung und konnte mich auf nichts mehr ordentlich konzentrieren und gleichzeitig mussten aber diverse Unterlagen u.a. fürs Sozialamt und fürs Jobcenter usw. ausgefüllt werden. Für Katja hatten wir seit ihrer Flucht aus ihrem Elternhaus, rund drei Monate zuvor, keinen müden Cent bekommen und ich war völlig pleite. Ich hoffte auf baldige Zahlungseingänge für Katja durch das Jobcenter, nur lagen die entsprechenden Antragshürden sehr hoch. Wir agierten anfangs völlig blind, da wir Katjas Status und wer überhaupt für sie zuständig war (Sozialamt, Arbeitsamt oder Jobcenter) überhaupt nicht kanten. Ich war manchmal kurz vor dem Verzweifeln, was ich mir aber gegenüber Katja versuchte nicht im vollen Umfang anmerken zu lassen.

Noch viel schlimmer war noch dazu, dass die gewalttätigen Zustände von Katja beinahe schon zu einem Dauerzustand wurden und ich überlegte, unser frivol erotisches Spiel bzw. angefangene 24/7-Beziehung bis auf weiteres wieder völlig zu beenden. Wenn ich dies gegenüber Katja ansprach, wurde sie aber noch wütender bzw. wurde sie überhaupt immer jähzorniger und gewalttätiger. Wenn sich Katja nicht in ihrem aggressiven Zustand befand, dann kniete sie vor mir oder kam mit ihrem inzwischen tückischen Lächeln angekrochen und fauchte und bettelte mich an, ich solle sie doch endlich mit der Gerte oder ähnlichen schlagkräftigen Utensilien** richtig hart schlagen. Mich widerte das Ganze bzw. Katjas Verhalten immer mehr an. Das alles hatte für mich nichts mehr mit unserem eigentlich geplanten liebevollen 24/7-BDSM-Leben bzw. einer solchen wundervollen -Beziehung zu tun, sondern war nur noch intensiv ausgelebte psychische Gestörtheit. Katja war regelrecht in einer Art manischem Zustand und wurde mit der Zeit immer hysterischer.

**) Mann kann z.B. auch die Rückseite von stabilen Badelatschen nehmen, die in ihrer Wirkung einer Gerte in nichts nachstehen (Ein gelernter Ossi weis IMMER zu improvisieren. 😉 ).

An der Stelle noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache:

Ich möchte unbedingt darauf hinweisen, dass das Schlagen im Gesicht oder würgen am Hals oder überhaupt überzogene Gewalt bei mir absolute Tabus sind. Solche Handlungen stehen meinem inneren Harmoniebedürfnis völlig entgegen.

Um zu versuchen der Lage wieder HERR zu werden, damit Katja wieder zurück in die Ruhe kommt, versuchte ich mit ihr eine Vereinbarung zu treffen, die wir auch, wie zwischen uns beiden immer üblich, sehr ausgiebig besprachen. Diese Vereinbarung verfassten wir dann sogar schriftlich, so dass ich sie Katja bei Bedarf unter die Nase halten konnte. Leider nutzte die Vereinbarung, die man hier verlinkt im Wortlaut lesen kann, so gut wie gar nichts mehr, denn Katja nahm diese und andere liebevollen Hinweise und (Er-)Mahnungen in ihrem manischem Zustand überhaupt nicht mehr auf bzw. gar nicht mehr wahr.

Wenn Katja nicht in ihrem um sich schlagenden Anfallmodus oder beim Betteln um Schläge war, lag sie im Schlafzimmer auf ihrer Doppelbetthälfte und surfte mit ihrem Tablett im Internet. Da für Katja das Internet eine sehr wichtige Möglichkeit ist mit der Welt in Verbindung zu bleiben, – Katja kann sich ja nicht ohne Begleitung irgendwo hin begeben – und ich das Internet für meine gesellschaftspolitische Hobby-Tätigkeit unbedingt benötige, hatte ich mich sofort nachdem fest stand, dass wir die Wohnung bekommen, um einen Internetanschluss gekümmert.

Katja erzählte mir auch eher beiläufig, dass ihr das Schlagende Tier aufgetragen hat, dass sie sich jeden Morgen, wenn sie aufwachte, bei ihm online zu melden hätte. Das gleiche galt für den Abend, Katja hatte vom Schlagenden Tier den Auftrag bekommen, sich jeden Abend bevor sie offline ging, sich bei ihm abzumelden. Ziemlich wütend schrieb ich das Schlagende Tier über Whatsapp an, diese intensive Beeinflussung von Katja zu unterlassen, da wir hier in Eisenhüttenstadt versuchten ein eigenes Live-Leben aufzubauen und außerdem einen Berg an Problemen zu lösen haben.

Das Schlagende Tier versicherte mir, solche und ähnliche starken Vereinnahmungen von Katja zu unterlassen, wobei ich aus Katjas Anspielungen wusste, dass es dies nicht wirklich tat, sondern nur seine Taktik änderte. Anhand von Katjas Körperreaktionen konnte ich außerdem sehen, dass er sie massiv sexuell aufgeilte, was ich mir ebenfalls wiederum vom Schlagenden Tier verbat. Wieder bekam ich von ihm die Antwort, er wolle nur helfen. Ich dagegen machte ihm klar, dass das Aufgeilen von Katja zu ihren Wutanfällen führte und ich dafür die Prügel einstecken muss bzw. wir hier in Eisenhüttenstadt nicht zur Ruhe kommen und das er doch genau dieses Problem selber kennt und auch schon Prügelattacken von Katja bei ihm zu Hause live erlebt hat. (Heute bin ich davon überzeugt, dass das ständige virtuelle Aufgeilen von Katja genau so vom Schlagenden Tier beabsichtigt war, damit Katja nicht zur Ruhe kommt und unser beider konstruktiv fantastisches Verhältnis zerrüttet bzw. zerstört wird.)

Ein oder zwei Tage nachdem ich versucht hatte das Schlagende Tier in die Schranken zu verweisen, erzählte mir Katja auf ihre lustig unschuldige Art und Weise, dass sich das Schlagende Tier nun sogar auf allen Internetportalen und auf allen Kommunikationskanälen angemeldet hat, auf denen Katja (schon lange) aktiv ist (die virtuelle Kommunikation ist Katjas Tor in die Welt, weil es für sie als sonst sehr eingeschränkter Mensch Freiheit bedeutet). Außerdem berichtete mir Katja, dass sie Ärger mit dem Schlagenden Tier bekam, wenn sie sich bei ihm Abends abgemeldet hatte und dann aber noch wo anders virtuell aktiv war. Sie wurde dann regelrecht mit Vorwürfen und sie aufgeilenden Strafandrohungen vom Schlagenden Tier überschüttet. Katja empfand dies als lustiges lustgeiles Spiel und mich machte es innerlich total wütend. Katja wurde nun auch noch vom Schlagenden Tier regelrecht gestalkt und ich hätte an dieser Stelle jetzt für Katja den Online-Stecker ziehen müssen, was ich aber nicht konnte, weil ich weiß, wie wichtig für Katja diese Verbindung zur Außenwelt ist.

Katja hat sehr viele Online-Freunde und u.a. hatte sie auch zwei Online-Herrinen*** mit denen sie BDSM-Rollenspiele online spielte. Dies waren aber eigentlich aus meiner Sicht völlig unerotische oder nur wenig erotische Plänkeleien, da beide Herrinen Katja nicht persönlich kannten und somit gar nicht richtig auf sie eingehen konnten. Katja ist ja in ihrem ganzen Wesen etwas völlig Außergewöhnliches, weswegen Standardvorgehensweisen bei ihr nicht viel bringen. Mann muss sich auf Katja sehr gezielt und mit sehr viel Geduld einlassen.

(***) Das Verhältnis zur Online-Herrin und auch ihre Dildo- bzw. Vibratoren-Geschenkkiste noch beschreiben.)

Katja hatte übrigens sogar mit alten BDSM-Partnern, mit denen es nicht gerade gut geklappt hatte, Kontakt. Ich bewunderte Katja immer dafür, wie sie all diese immense Kommunikationsleistung bewerkstelligte. Ich bin schon ab drei Emails mehr oder weniger total überlastet und mag auch nicht so sehr die reine virtuelle Kommunikation.

Auf Basis all der Informationen und Begebenheiten was das Schlagende Tier anging, sowie auch seinen eigenen Aussagen ihn selbst betreffend, wurde mir mit der Zeit immer klarer, dass Katja hinter meinem Rücken immer mehr von mir weggezogen wird und ich darauf nur mit harten restriktiven Maßnahmen hätte reagieren könnte.