Kapitel 07 – Wie sich psychische Störungen gegenseitig ambivalent anziehen – Teil 2

Ein paar Tage nach unserem hoffnungsvollen Besuch bei der karitativen Einrichtung, die direkt an einer Haltestelle in Fürstenwald lag, meldete sich wieder jene etwas korpulentere junge Dame. Sie hatte inzwischen ihre Kontakte spielen lassen und hätte gute Nachrichten für uns. Sie bat uns für weitere Absprachen zu ihr nach Fürstenwalde zu kommen.

Den ersten telefonisch vereinbarten Termin mussten wir leider absagen. Katja hatte kurz bevor wir los fahren wollten wieder eine ihrer Prügelattacken bekommen und bis Katja sich davon wieder völlig gefangen und seelisch erholt hatte, sowie innerlich wieder gestärkt reisefähig gewesen war, waren drei bis vier Stunden vergangen. Dies war bei jedem ihrer Anfälle der Fall bzw. verlängerten sich mit der Zeit, alle einzelnen Phasen ihrer Anfälle, immer mehr, so dass die Anfälle im schlimmsten Fall über mehre Stunden anhielten oder manchmal gar nicht mehr richtige abebbten. Mit der Zeit kam es sogar ab und an mal vor, dass Katja zwei Anfälle an einem Tag bekam. Ich war hierbei völlig in der Zwickmühle, weil ich mir relativ sicher war, dass, je mehr mich Katja in ihr Herz schloss und somit auch in Bezug auf meine Person immer stärker entsprechende sexuelle Wünsche und Sehnsüchte hatte, dass sich dadurch auch ihre Anfälle verschlimmern bzw. die Phasen immer weiter verlängern und die Intensität ihrer Anfälle im schlimmsten Fall weiter zunehmen würden.

Was sollte ich in dieser Situation tun? Sollte ich Katja meine Zuneigung verweigern? Sollte ich auf eiskalt machen? Sollte ich restriktiv harte Verbote aussprechen? Sollte ich mich so wie Katjas Eltern verhalten? Sollte ich genau diese Verhaltensmuster bedienen, welche Katja überhaupt erst in ihre leidige Situation gebracht hatten? Mein Gehirn rotierte mal wieder, wie üblich, auf Hochtouren und ich erhoffte mir sehr viel von dem Besuch in der Berliner Charité, der aber erst im kommenden Jahr Mitte Januar stattfinden sollte.

Dummer Weise konnten wir nur am Vormittag bei der jungen Dame in Fürstenwalde vorstellig werden und dies auch nur an bestimmten Tagen. Durch den erneuten Anfall von Katja und dass wir uns nicht wie geplant auf den Weg machen konnten, verloren wir wieder wertvolle Tage, wobei sich alles was wir machten, immer sehr langsam hinzog. Durch Katjas Schlag-Anfälle und dass wir alles immer gemeinsam machten und dies auch egal wie lange es dauerte oder wie langsam es ging, kamen wir grundsätzlich nur sehr mühevoll voran. Dieses absolute gemeinsame Handeln gehörte aber nun mal zu Katjas Heilungsprozess mit dazu und ich habe ja, wenn ich nicht gerade von jemanden anderen mit dem Hafer gestochen werde, eine absolute Engelsgeduld.

Ein paar Tage später, als wir endlich wieder in Fürstenwalde bei der karitativen Einrichtung vorsprechen konnten, die direkt an einer Haltestelle lag, bekamen wir eine sehr gute und eine etwas weniger gute Nachricht. Die gute Nachricht war, dass Katja und ich bei einer städtischen Wohnbaugesellschaft relativ zügig eine Wohnung bekommen könnten. Die weniger gute Nachricht aber war, dass wir dazu nach Eisenhüttenstadt ziehen müssten, wozu wir notgedrungen, auf Grund des immer schlimmer werdenden Zeitdrucks, zustimmen mussten. Hatte man uns damals nach der Flucht von Katja aus ihrem Elternhaus nicht bei Frigga gesucht und gefunden, gingen wir nun davon aus, dass man inzwischen von dieser Möglichkeit polizeilich wusste. Man wusste ja inzwischen, dass Katja bei mir war und mit welchem gesellschaftspolitisch aktiven Gesindel ich noch alles so verkehre, bekommt man ja per Internetrecherche relativ leicht raus. Wir rechneten inzwischen fast jeden Tag mit einem überaus freundlichen aber sehr bestimmten Besuch durch die Polizei.

Eisenhüttenstadt liegt als ehemalige zu DDR Zeiten aus dem Boden gestampfte Planstadt an der polnischen Grenze südöstlich von Berlin und ich kannte diesen verlassenen Ort ein wenig und dies zum einen durch meinen zweijährigen Job als Pkw-Kraftfahrer bei der ehemaligen Arbeiter und Bauerninspektion (ABI) der DDR. Ich hatte in dieser Zeit die Genossen Kontrolleure dieses staatlichen Quasiministeriums zu allen nur erdenklichen Produktionsstädten unserer zu tiefst maroden DDR-Wirtschaft gefahren. Und später als selbständiger Fuhrunternehmen holte ich (inzwischen im nicht zugestimmten Eilverfahren zum Wossi ausgebildet), ab und an Stahlträger oder -rollen im örtlich ansässigen Stahlwerk mit meinem 40-Tonner Sattelzug* ab. In Eisenhüttenstadt selbst bzw. in der gesamten Region kannte ich keinen Menschen.

*) Für Kenner und Genießer: Einen Renault AE 500 in weiß mit 500 PS. Ab da Macht Autofahren erst richtig Spaß. Alles darunter sind rollende Handtaschen. 😉

Die in Fürstenwalde erhaltenen Unterlagen füllte ich schnellstens aus und faxte sie umgehend an die angegebene Nummer. Da ich ab da die etwas korpulentere junge Dame in Fürstenwalde nicht mehr erreichen konnte, sie hatte für das noch aktuelle Jahr jegliche Arbeit urlaubstechnisch niedergelegt, rief ich zwei Tage nachdem ich die Faxen gemacht hatte direkt bei der Wohnbaugesellschaft an und bekam dort die Auskunft, dass unsere gefaxten Unterlagen angekommen sind. Da nun aber erst einmal die Feiertage und der Jahreswechsel bevor stand, würde man sich erst im neuen Jahr wieder melden. Dies hieß für uns, dass wir keine Chance auf eine Wohnung noch vor Weihnachten oder wenigstens noch vor dem Jahreswechsel hatten und wir noch einmal mindestens vierzehn Tage warten mussten, bevor wir überhaupt genauere Informationen bekommen konnten. Da es aber bei Katja und mir bzw. an allen anderen Fronten relativ gut lief bzw. wir auch da langsam aber stetig vorwärts kamen, waren Katja, Frigga und ich alles andere als entmutigt.

Da Berlin für Katja viel zu stressig war und ich wollte, dass sie weiter in die Ruhe kommt, war es für Katja eigentlich egal, wo wir uns wie eigentlich geplant in aller Ruhe (sexuell) ausleben konnten. Für mich und meine gesellschaftspolitischen Aktivitäten (vor allem in Berlin) lag Eisenhüttenstadt eigentlich zu weit weg. Mit Katjas kostenloser Fahrkarte war aber diese Hürde auch nicht so groß bzw. wollte ich mich eh ein wenig von meiner gesellschaftspolitischen Aktivitäten etwas zurück ziehen. Ich hatte die ständigen Konfrontationen und Entwertungen bis hin zur Entrechtung, die man in und zwischen den sogenannten sozialen Initiativen ständig erlebt, absolut satt. Ich wollte selber auch wieder mehr zur Ruhe kommen und mich erst einmal um meinen ganz persönlichen 24/7-Engel kümmern.

Inzwischen entstand aber ein weiteres für mich sehr großes Problem. Katjas Gewaltanfälle bzw. Prügelattacken nahmen an Intensität und Dauer immer weiter zu. Hatten wir es ja durch unseren sehr bewussten Umgang mit Katjas Anfällen einmal sogar auf ganze zehn Tage ohne einen einzigen Anfall, auch durch rechtzeitiges Reagieren durch mich oder Katja selbst, gebracht, so nahmen die Zeiträume inzwischen wieder langsam ab, bis die Anfälle beinahe wieder jeden Tag oder sogar zweimal am Tag statt fanden.

Katja schlug jetzt außerdem nicht nur mit einer immer größer werdenden Schlagkraft und Zielgenauigkeit zu und versuchte immer intensiver meine technischen Geräte (Smartphone und mein Notebook) als Wurfgeschosse in ihre Hände zu bekommen, sondern kniff mir nun auch noch dazu mit all ihrer in ihr steckenden Wut in meine Bauchfalte oder versuchte mir direkt zwischen meine Beine in meine Weichteile zu kneifen. Bei zwei solcher Attacken konnte ich nicht mehr rechtzeitig ausweichen, so dass sie mir mit all ihrer in ihr steckenden Wutkraft voll in die Hoden kniff. Schmerzaufschreiend konnte ich Katja bei diesen zwei Attacken nur noch reflexartig und mit voller Kraft von mir wegstoßen. Sie zerrte sich dadurch beim ersten mal das Genick und beim zweiten mal rollte sie mit voller Wucht in eine Ecke zwischen der Wand auf der einen und einem kleinen Regal auf der anderen Seite.

Bei allen Wutattacken von Katja versuchte ich sie immer durch eigene ausweichende Bewegungen indirekt auf unser Bett (eine große Schaumstoffmatraze) zu manövrieren, damit die Verletzungsgefahr für uns beide so gering wie nur möglich war. Zum Glück brachen Katjas Anfälle bisher immer nur dann aus, wenn wir bei Frigga zu Hause waren. Katja hatte aber unbeschreiblich große Angst, dass sie die Attacken eventuell auch in der Öffentlichkeit oder in der BDSM-Bar bekommen würde. Katja hatte RIESENGROßE Angst, dass wir ihre starke Störung nicht mehr geheim halten konnten und sie im schlimmsten Fall in eine Einrichtung hätte kommen müssen.

Ich versuchte Katja natürlich auch hierbei wieder auf der einen Seite zu beruhigen und auf der anderen Seite hatte ich aber selber genau davor sehr große Angst. Wenn Katja unterwegs solch ein Anfall bekommen würde, würden andere Menschen bestimmt nicht einfach wegsehen, sondern sich im schlimmsten Fall sehr übergriffig einmischen. Wir hatten aus diesem Grund ab dem Moment (fast) immer einen nasskalt angefeuchteten Lappen mit dabei wenn wir unterwegs waren oder auch wenn wir in die BDSM-Bar gingen. Ich selbst hatte noch dazu sehr große Angst, dass sich Katja ernsthaft verletzen würde. Durch unsere Fluchthilfe hatte ich sowie auch Frigga die Verantwortung für Katja übernommen. Bei allem was ich mit Katja durchmachte, kam ich mir inzwischen vor wie der oberste Jedimeister des absoluten Spagats.

Anmerkung:

Ich kann im Nachhinein leider nicht mehr genau rekonstruieren, ab wann genau die Anfälle bei Katja wieder schlimmer wurden. Die ab hier beschriebene Problematik, dass sich das Schlagende Tier so überhaupt nicht an unsere Vereinbarung bzw. unseren Dienstleistungsvertrag gehalten hat und sich immer übergriffiger im Sinne eines Machtmissbrauchs verhielt, wurde mir erst durch das Aufschreiben dieser Erzählung richtig bzw. in seiner ganzen Tragweite bewusst. Wenn man in einer Geschichte als Selbstbetroffener drin steckt, sieht man vieles nicht, was später aber total logisch erscheint bzw. ganz offen auf der Hand liegt.

Auf Basis unserer Absprache bzw. unseres zu dritt geschlossenen „Dienstleistungsvertrages“ machten wir es uns, angekommen beim Schlagenden Tier in seiner Wohnung erst einmal gemütlich und tranken Tee bzw. Kaffee. Wir sprachen über viele „normale“ und natürlich auch über diverse frivole Dinge. Natürlich erzählten wir nun auch noch intensiver von Katjas Problemen und dies von ihrem Erleben in ihrem eigenen Elternhaus, über ihre psychischen und körperlichen Leiden und bis hin zu ihren Prügelattacken. Und wir erzählten natürlich auch von den Erfolgen, die Katja und ich bereits erreicht hatten, um die Prügelattacken unter Kontrolle zu bekommen.

Das Schlagende Tier war dabei auch selbst sehr redselig. So erzählte er uns z.B. dass er selber sehr viel Erfahrung mit psychisch stark beeinträchtigten Frauen hätte, denn seine eigene Frau, von der er sich gerade scheiden ließ, konnte sexuelle Erregung nur noch dann erleben, wenn sie ganz spezielle und sehr harte Gewaltphantasien dabei hat. Diese Gewaltphantasien gingen weit über die Verstümmelungswünsche hinaus, die ich bereits von einer anderen ehemaligen kurzen BDSM-Liebschaft her kannte. Das Schlagende Tier machte uns auch klar, dass die psychische Beeinträchtigung seiner Frau auch der Grund sei, warum er sich von ihr scheiden ließ.

Als ich das alles hörte, schoss mir SOFORT der Gedanke durch den Kopf: „Hast Du liebes Schlagendes Tier eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, welchen Anteil Du eventuell daran haben könntest, dass Deine Frau aus ihrer starken psychischen Beeinträchtigung nicht heraus findet?“ Ich selbst würde dabei auch niemals behaupten, dass das Schlagende Tier Schuld an dem seelisch völlig zerrütteten Zustand seiner Frau ist, denn woher solch harte Gewaltphantasien u.a. kommen können, wusste ich aus eigener Erfahrung heraus. Auf Grund der Summe aller meiner eigenen Lebensenttäuschungen und dies mit Blick auf diverse Frauen, die bereits mein Leben in negativer Art und Weise begleitet hatten (von der eigenen Mutter oder sogar den eigenen Omas, über Schwägerinnen, Nichten und Lebensabschnittsgefährtinnen sowie Ehefrauen hinweg), hatte ich selbst vor Jahren solch extreme sexuelle Gewaltphantasien**, vor denen ich selber total erschrocken war und die ich niemals einer Frau antun möchte.

Es gab mal eine Zeit, da habe ich Frauen auf der Straße voller generellem Hass, gar nicht mehr im Gesicht bzw. oberhalb des Halses angeschaut. Es gab mal eine Zeit, da waren Frauen für mich nichts weiter wie völlig wertlose sexuelle (Nutz-)Objekte. So möchte Mann nicht fühlen. Diese absolut unherrliche Einstellung kommt noch dazu nicht einfach so über Nacht, sondern ist ein schleichender Prozess. Mann merkt nicht, dass Mann ganz langsam zu einem Monster wird. 😦

**) Mann könnte den über das Leben hinweg entstandenen Hass auf Frauen auch als „Rechtsextreme sexuelle Lebenseinstellung“*** bezeichnen. Das Prinzip, wie aus zu tiefen und zu vielen seelischen Verletzungen und endlosen Traumatisierungen eine solch tiefe innere seelische Verrohung entsteht, dass am Ende nur noch purer Hass übrig bleibt, auf dessen Basis man anderen Menschen nur noch Gewalt antun möchte, ist das selbe Prinzip, wie beim „normalen“ Rechtsextremismus bzw. Faschismus – und ich erlebe diese Entwicklung derzeit (fast) überall in unserer zu tiefst gestörten zerrütteten Gesellschaft.

***) Ich habe sogar einen mir völlig unbekannten inzwischen erwachsenen Sohn, der diese Lebenseinstellung bereits gerichtlich dokumentiert zelebriert. Er sieht es als völlig normal und legitim an, Frauen (ohne dass sie es wünschen) zu verprügeln. Siehe auch meine entsprechenden Ausführungen in meiner öffentlich dargelegten Kurzbiographie… www.fielsch.de/meine-kurzbiographie

Da ich mich aber seit meiner frühen Kindheit unentwegt auch selber beobachte und analysiere, konnte ich das Problem meiner extremen sexuellen Gewaltphantasien anfänglich mit sexueller Abstinenz und dies dann auch in Verbindung mit meinem eigenen inneren ständigen Bewusstmachungs- und Verarbeitungsprozess wieder einigermaßen(?) in den Griff bekommen. Diesbezüglich wusste ich auch, warum mir die noch so unbeschreiblich reine Seele von Katja so gut tat. Katja reines Herz ist wie Medizin für meine so zu tiefst geschundene (kindliche) Seele.

Über all diese Dinge wollte ich aber nicht offen vor Katja sprechen, denn sie hatte nun wirklich schon Horrorprobleme genug. Auf der anderen Seite hatte ich aber mit Katja die Vereinbarung, dass wir niemals etwas hinter dem Rücken des anderen besprechen oder sogar alleine ohne Wissen des anderen agieren. Wie verletzend und entwertend solche Vorgehensweise ist, wissen wir beide schon alleine von unseren eigenen Familien. Somit war das Thema erst einmal erledigt, da es weder Katja noch mich direkt betraf.

Katja hatte eine gewisse Zeit vor unserem Besuch beim Schlagenden Tier Geburtstag. Mein ganz persönlicher Engel wurde ganze 22 Jahre jung. Von ein wenig Geld, was ich bei mir abzweigen konnte, schenkte ich ihr natürlich ein BDSM-Geschenk, welches genau zu ihrer sexuellen Neigung bzw. ihrem entsprechenden Wunsch diese auszuleben, passte. Dieses Geschenk hatten wir natürlich auch bereits in die BDSM-Bar mitgenommen, wo sie es voller Stolz trug.

Ich dachte mich trifft der Schlag, als das Schlagende Tier genau das selbe Geschenk für Katja jetzt auspackte, welches ich ihr zuvor zum Geburtstag geschenkt hatte und von dem er natürlich auch wusste. Sein gleiches Geschenk war aber von einer viel besseren Qualität und somit eine viel teurere Version, die ich mir aktuell nie hätte leisten können. Mir schossen in diesem Augenblick sofort zwei Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Erstens hatte ich es beim Schlagenden Tier mit einem „sozialen Umgangskrüppel“ zu tun, der seine soziale Inkompetenz mit teuren Geschenken kompensiert. Und ich musste unbeschreiblich auf der Hut sein, da ich Katja sonst, auf Basis seiner unfairen Methoden, an ihn verlieren werde.

Katja selbst bekam dies natürlich alles überhaupt nicht mit sondern freute sich wie eine nackte Schneekönigin. Katja konnte überhaupt nicht realisieren, welch unsoziales Verhalten das Schlagende Tier da gerade an den Tag gelegt hatte und ich konnte es ihr selbst auch später nicht vermitteln. Das ganze toppte das Schlagende Tier dann noch mit einem weiteren sehr großen Geschenk, natürlich auch wieder passend zu Katjas leidenschaftlichem BDSM-Wunsch. In einer Zimmerecke stand ein aufblasbares Möbelstück, was einiges an Geld gekostet hatte. Katja war jetzt natürlich noch mehr aus ihrem (Hunde-) Häuschen und ich konnte dazu nur noch müde lächeln und kochte eigentlich innerlich vor Wut. Gleichzeitig tat mir das Schlagende Tier leid und ich musste sogleich wieder an seine Frau denken und das sie mit ihm als Partner an ihrer Seite, mit seinen sozialen Defiziten, gar keine Chance hatte, ihren psychischen Beeinträchtigungen zu entfliehen. Nur gut, dass ER sich gerade von ihr scheiden ließ und beide bereits getrennt wohnten!!!

Als ob dies aber alles nicht schon genug Warnungen waren (die ich aber erst heute voller Klarheit durch mein schriftliches Aufarbeiten sehe), erzählte uns das Schlagende Tier auch noch, dass er so gut wie keine Freunde hatte und wir beide, außer seiner geschiedene Frau, die einzigen Besucher waren, die seit Jahren seine Wohnung betreten haben.

Zu guter Letzt kam dann noch die absolute Krönung des Abends. Das Schlagende Tier gestand uns ziemlich geknickt, dass er große seelische Probleme bekommen hat, seitdem er Katja das erste mal in der BDSM-Bar gesehen hatte. Er gestand uns, dass er überhaupt nicht damit klar kam, dass er Katja nicht „besitzen“ kann. Er konnte deswegen auch nicht mehr schlafen und hatte starke psychische Probleme bekommen.

Eigentlich hätte ich jetzt an dieser Stelle angekommen, mit so vielen Warnhinweisen, Katja sofort unter den Arm nehmen und ohne auch nur einen Moment zu zögern die Wohnung vom Schlagenden Tier verlassen und jeglichen Kontakt zu ihm abbrechen sollen. Aber Katja realisierte das, was hier die ganze Zeit an Horrorinformationen rüber kam auf der einen Seite, überhaupt nicht, sondern fühlte sich extrem umworben und beachtet. Sie war fröhlich und ausgelassen, wie ich es an ihr so unbeschreiblich mochte. Und auf der anderen Seite hätte ich, wenn ich jetzt alles abrupt abgebrochen hätte, ihr eine wundervolle Chance genommen, sich endlich entsprechend ihren Träumen und Wünschen ausleben zu können und sie hatte es sich, nach all den durchlebten Tortouren und wie sie bereits an sich selbst arbeitete, mehr als redlich verdient. Außerdem war ich auch der Überzeugung, dass sie mir diesen „Umgangs-Coitus-Interruptus“ sehr übel genommen hätte, weil ich ihr all die entsprechenden Hintergründe nicht wirkliche (in einer angemessenen Zeitspanne) hätte erklären können.

Ich selbst war aber irgendwie auch von der Offenheit des Schlagenden Tiers beeindruckt und dachte mir, dass dies ja immerhin schon mal die halbe Miete auf dem Weg einer Besserung bzw. Gesundung war. Selbst seit Jahren bzw. Jahrzehnten hobby-therapeutisch unterwegs (auch als Initiator der freien Initiative „Weltrettung durch Therapie“), weiß ich ja, dass Offenheit genau der erste Schritt zur (oft sehr schmerzhaften) Selbsterkenntnis ist.

Das wirklich Schlimmste an allem war aber, dass ich nun noch eine weitere therapeutische Baustelle hatte und ich war aber schon mit all unseren eigenen Problemen völlig überlastet. Da aber der Termin in der Charité bald anstand und wir endlich eine Wohnung in Aussicht hatten und wir Katjas Prügelattacken immer besser in den Griff bekamen, hoffte ich auf baldige Entspannung unserer gesamten Situation und dass ich dann auch wieder etwas Bewusstmachungskraft für das Schlagende Tier haben würde.

Ich stellte das Schlagende Tier noch dazu sofort zur Rede und versuchte ihm klar zu machen, dass es bei dem was wir machten nicht um seine Gefühlswelt bzw. die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse und auch um keine Dreiecksbeziehung, sondern dass es einzig und alleine um die therapeutische Arbeit rund um Katja geht. Er versprach mir sich in Griff bekommen zu wollen, denn ich machte ihm klar, dass ich unter diesen Umständen den Kontakt zu ihm abbrechen würde.

Das Schlagende Tier wollte uns auch seine Geschenke für Katja für unsere baldige neue Wohnung mitgeben, was ich aber erst einmal unter dem Vorwand, dass wir bei Frigga keinen Platz dafür hätten, abwiegeln konnte. Für mich stand außerdem bereits fest, dass das Schlagende Tier unsere neue Wohnung nicht betreten wird. Katja teilte ich diese Entscheidung aber noch nicht mit. Das Schlagende Tier hatte sich schon selber in unsere neue Wohnung eingeladen und sah dies für selbstverständlich an. Ab welchem Zeitpunkt ich im weiteren Verlauf aller Geschehnisse diese Entscheidung genau fällte, kann ich aber im Nachhinein nicht mehr sagen. Wie bereits erwähnt fällt es mir (derzeit) sehr schwer, alles auf den Punkt genau chronologisch nieder zu pinseln.