Kapitel 4 – Die Polizei „Dein Freund und Helfer“

Als erstes nutzten wir eines unserer regelmäßigen Mittagstelefonate für ein Telefongespräch mit Frigga zu dritt. Katja und Frigga verstanden sich auf anhieb absolut fantastisch, wobei sich Frigga, die selber bereits Mutter ist, noch viel intensiver in die sexuell freiheitlichen Belange einer jungen Frau hineinversetzen konnte.
Katja wusste ja bereits von meinen vielen Erzählungen her und von meinen öffentlich einsehbaren Projekten, dass wir Grundrechte-Aktivisten sind und die Gesellschaft anständig aufmüpfig, aber absolut friedlich, aufmischten. Das passte alles zu Katjas ständig frech aufmüpfigen Wesen. Und jetzt lernte sie noch dazu wirklich eine weitere Mitstreiterin von mir kennen und ich konnte noch mehr Vertrauen bei ihr aufbauen. Für das was Katja jetzt vorhatte, sich gegen ihre eigenen Eltern zu stellen, um zu versuchen, endlich ihre eigenen Wege gehen zu können, brauchte sie das Vertrauen des gesamten Universums und Halt sowie Liebe bzw. Zuneigung ohne Ende.

Das größte Problem war, dass wir in Berlin waren und Katja ganz allein gelassen in ihrer Heimatstadt in der Nähe von Erlangen wohnte. Katjas größte Sorge und Angst war, dass der Kontakt zu uns abreißen könnte, und dies vor allem weil Katja sicher war, dass ihre Eltern sehr drastisch auf ihre kommenden Ausreisebemühungen reagieren werden. Vor allem hatte sie unbeschreiblich große Angst davor, dass, wenn der Entnabelungsprozess von ihren Eltern erst einmal angestoßen ist und ihre Eltern davon Wind bekommen, dass dann der Kontakt zu uns abreißen könnte. Katja würde dann mit ihren Eltern ganz alleine dastehen und niemand würde ihr helfen oder beistehen. Das war eine unbeschreiblich große Belastung für sie.

Aber wir versuchten alles zu tun, um Katja diese Ängste zu nehmen bzw. versuchten wir ihr auch zu vermitteln, dass genau solche Ängste „zum Leben“ mit dazu gehören, wenn man versucht frei bestimmt leben zu wollen. Auf der anderen Seite versuchten wir sie auch aufzumuntern und dies auf unsere lustige und aufmüpfige Art und Weise die uns allen dreien ja so dreist innewohnte. Ich versprach Katja, wenn wir, aus welchem Grund auch immer, den Kontakt zueinander verlieren, dann würden wir mit mehreren Aktivisten eine Demo direkt vor ihrem Haus zelebrieren und dies auch mit ganz großen Transparenten auf denen dann z.B. drauf stehen würde „Freiheit für Katja!!!“. Wir alberten, scherzten und lachten trotz der Probleme die auf uns zukommen würden. Es waren wundervolle Momente die mich sehr berührten und bewegten, und für den Mut den Katja trotz ihrer geistigen Behinderung aufbrachte, schloss ich sie immer tiefer in mein Herz.

Katja vermittelte ich, dass wir zur Not auch wissen, wie wir öffentliche Aufmerksamkeit erregen können. Mit der Zeit erzählte ich ihr u.a immer mehr über unsere Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bzw. unsere entsprechende Präsenz. Ich z.B hatte bereits verschiedene regelmäßige Radiosendungen im Internet und bei Alex, dem offenen Kanal für Berlin, selbst produziert und moderiert. Außerdem saß ich schon einmal bei Frau Maischberger auf der Couch und war beim WDR zu Gast. Frau Maischberger war u.a. so freundlich, mich als faulen und schmarotzenden Hartz-IV-Tanzbären an der Nase durch die mediale Manege zu führen und das ZDF ehrt mich bzw. meine frei bestimmte gesellschaftspolitische Tätigkeit inzwischen, in dem es mich in einem Fernsehbeitrag direkt als Reichsbürger diffamiert.*

*) Die Entwertung und Diffamierung durch das ZDF sowie dessen Korrektur beschreibe ich noch zu einem späteren Zeitpunkt.

Frigga dagegen hatte u.a. einen geilen medialen Auftritt, als sie eine Bewerbungsaufforderung bei einem Berliner Erotikshop vom Jobcenter (Artikel verlinken) bekam und dies natürlich unter Androhung von Sanktionen wenn sie sich nicht bewerben würde. Dass Frigga als freiberufliche Bildungsträgerin und studierte Physikerin mit Kinder arbeitet und selber auch ein Kind hat, hat das Jobcenter nicht interessiert. Da soziale und Bildungsarbeit in unserer armseligen Gesellschaft meist nur einen Hungerlohn einbringt, gehört Frigga phasenweise mit zum elitären Club der Hartz-IV-Aufstocker. Frigga bekam bei ihrer gewollt schmutzig medialen Schlammschlacht noch dazu ordentliche Unterstützung von der Parteivorsitzenden der Partei „Die Linke“ Katja Kipping.

Ich selbst bin auch bereits bei einer Berlin-Wahl als parteilooser Direktkandidat angetreten und später sind Frigga und ich gemeinsam bei einer Bundestagswahl ebenfalls als parteillooserische Direktkandidaten angetreten. Den Gaudi gönnen wir uns aber eigentlich immer nur, um mal richtige (Ab-)Wahlplakate an den Berliner Laternen aufknüpfen zu können. Wir sind, was die lustgeile Medien- bzw. Öffentlichkeitsarbeit angeht, regelrechte Huren und prostituieren uns in diesem Bereich liebend gern.

Zusätzlich zu meiner, bereits vor längerer Zeit diagnostizierten, sehr schweren finanziellen Behinderung, hatte ich bei mir gerade ein Problem entdeckt, was ich mit Hilfe des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpD) in Fürstenwalde (bei Berlin) als ersten Gesprächspartner angehen wollte. Ich war gerade, losgelöst von meiner Berliner Heimatstadt, die ich nicht mehr als lebenswert empfinde, beim vierten oder fünften Umzug innerhalb von zwei Jahren. Auf Grund meiner alternativen Lebenseinstellung bekomme ich in einem (spieß-) bürgerlichen Wohnumfeld ständig nur Brechreize. Auf der anderen Seite scheiterten alle meine Bemühungen in alternativen Lebens- bzw. Wohnprojekten Fuß zu fassen, da ich mich auf keinerlei ideologische Kämpfe (mehr) einlasse und mich auch nicht entsprechend (gegen meinen Willen) vereinnahmen lasse. Der einzigen Ideologie der ich noch fröne (außer oder als Teil des Hedonismus) ist der „Garantismus“ in Form eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) als Existenzgeld für ALLE Menschen auf unserem wundervollen Planeten.

Ich war aktuell gerade in der Nähe von Fürstenwalde gestrandet, weil ich dichter an Berlin dran sein wollte und sich hier ein gerade neu gestartetes Projekt als „Freie Wirkungsstätte für freie Geister“ anbot. Nachdem ich mich dort aber zur Probe hinbegeben hatte und anfing frei bzw. im Sinne meiner BGE-Passion zu wirken, entpuppte sich das Projekt als hardcore-feministische Initiative, so dass man mir anriet, doch bitte wieder die Flucht anzutreten.

Beim SpD nutze ich nun einen meiner Gesprächstermine um auf Katjas Problematik aufmerksam zu machen, wobei man dort mit der Konstellation „Alter Mann mit noch sehr junger Frau“ nur sehr schwer klar kam. Trotzdem reichte man mir ein paar Tage später die Telefonnummer von einem jungen Mann von der Betreuungsbehörde in Erlangen, den ich auch umgehend anrief.

Herr Mund (Name geändert) von der Betreuungsbehörde in Erlangen erklärte mir sofort, dass Katjas Problematik überhaupt kein Problem sei. Sie müsse nur vor einem Richter für ihre Betreuungsangelegenheit treten und erklären, dass nicht mehr ihre Eltern ihre Vormundschaft inne haben sollen, sondern Katja eine neutrale Betreuung wünscht. Da sie mit einundzwanzig Jahren im Prinzip mündig ist, wäre dies beinahe ein reiner Verwaltungsakt, über den die Eltern im Vorfeld nicht einmal informiert werden müssen.
Ich war erst einmal sehr beruhigt über diese Informationen und machte Herrn Mund aber auf die Problematik der Begrenzungen und Kontrollen von Seiten der Eltern und der Behindertenwerkstatt aufmerksam. Auch hier beruhigte mich Herr Mund völlig. Er meinte, er hätte als Mitarbeiter der Betreuungsbehörde die Befugnis sich mit Katja zu treffen und dass niemand, weder die Eltern noch die Mitarbeiter der Werkstatt, etwas von dem Treffen noch von dessen Gesprächsinhalt wissen müssen. Katja hat trotz ihrer Behinderung Persönlichkeitsrechte, die er ganz klar achten, einhalten und im Sinne von Katja auch umsetzen werde.

Ich erklärte Herrn Mund auch, dass ich bzw. wir uns nur aus der Ferne um Katja kümmern und sie stärken. Den Weg selbst muss sie aber aus eigenem Antrieb gehen. Herr Mund bat mich Katja zu bestellen, dass sie ihn bitte persönlich anrufen sollte und dass sie dann einen Gesprächstermin in ihrer Werkstatt vereinbaren würden, von dem auch niemand etwas wissen müsste.

Ich erzählte Katja natürlich schnellstmöglich und hochgradig freudig erregt, dass sie Herrn Mund nun nur noch selber anrufen müsste und gab ihr die entsprechende Telefonnummer. Katja freute sich riesig und war aber gleichzeitig wieder voller Ängste. Sie fragte mir ständig alle möglichen Löcher in den Bauch und war natürlich total aufgeregt.

Am nächsten Tag als wir wieder Kontakt hatten, erzählte Katja mir voller Stolz, dass sie Herrn Mund erreicht hatte und mit ihm gesprochen habe. Sie hatten für ein paar Tage später einen Termin vereinbart. Katja war jetzt noch aufgeregter und fragte mich ständig danach aus, wie das Treffen denn ablaufen könnte. Ich versuchte ihr alle ihre Fragen bestmöglich zu beantworten und sie zu beruhigen. Es war für mich herzerwärmend wie Katja auf all die Informationen reagierte und das sie so glücklich war. Ich war mit dem ersten gemachten Schritt sehr zufrieden und Katja faste noch mehr Vertrauen zu mir bzw. uns, weil sie nun wusste, dass wir keine leeren Versprechungen machen sondern wirklich für sie da sind

Katja schlug auch mehrmals vor, in der Werkstatt Bescheid zu sagen, dass jemand zum Gespräch zu ihr kommen würde. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass sie das einfach dem Herrn Mund überlassen und einfach nur auf das Treffen warten sollte. Katja hat aber so eine unbeschreiblich ehrliche und offene Natur, so dass sie sich leider nicht an unsere Absprache hielt.

Ich bekam am nächsten Tag wieder wie üblich ihr SMS-Zeichen, dass ich Katja anrufen könne, was ich natürlich auch sofort tat. Ich selbst fieberte ja jeden Wochentag diesem fantastischen MittagsHöhepunkt entgegen. Statt aber wie üblich ihre liebreizende Stimme zu vernehmen, vernahm ich nur ihre total aufgelöste und unbeschreiblich stark weinende Stimme. Ich verstand Katja akustisch so gut wie gar nicht und bekam sie auch absolut nicht beruhigt.
Ich vernahm nur, dass sie wohl doch in der Werkstatt Bescheid gesagt hatte, dass jemand zu einem Treffen mit ihr kommen würde. Von der entsprechenden Person wurde ihr wohl aber daraufhin gedroht, dass man ihre Eltern darüber informieren und sie wieder ordentlich Ärger bekommen würde. Katja heulte und schrie verzweifelt ins Telefon und ich konnte alles Mögliche zu ihr sagen aber sie beruhigte sich einfach nicht. Im Gegenteil. Es fielen Sätze wie „Ich will nicht mehr!“, „Ich kann nicht mehr!“, „Ich will nicht mehr weiter machen!“, „Ich mache Schluss!“.

Ich wusste an dieser Stelle nicht mehr, was ich machen sollte. Ich bekam Katja nicht zurück in die Ruhe und sie hörte auch nicht auf völlig aufgelöst zu weinen. Sie war wie hysterisch und aufgezogen und Sie wiederholte nur immer wieder die Worte, dass sie nicht mehr weiter machen wollte. Wir mussten auch so langsam Schluss mit unserem Gespräch machen und in mir klangen nur immer wieder ihre Worte nach… Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr! Ich mache Schluss!

Ich war nach diesem Telefonat fix und fertig und ich selbst kannte Katja ja persönlich noch gar nicht und hatte auch überhaupt keine Erfahrung mit geistig behinderten Menschen. Ich wusste nur aus eigener Erfahrung, dass man in solch einer Situation schnell an einen Punkt gerät, wo es nicht mehr weiter geht und Katja hatte nicht einen einzigen Fürsprecher in ihrer Umgebung. Ich machte mir unbeschreiblich große Sorgen und auch ich hatte ja keinen Ansprechpartner in ihrem Umfeld, den ich hätte zu Hilfe rufen können.

Nach reiflicher Überlegung und mit unbeschreiblich großer Angst, dass Katja sich etwas antut oder das ganze zumindest weiter eskaliert, rief ich bei der Polizei an. Ich schilderte die Situation, wobei man mich bat, doch bitte die Polizei in Katjas Region zu kontaktieren. Ich recherchierte Erlangen als zuständige Polizeistation und rief dort an. Nachdem ich die Problematik so gut wie es mir möglich war geschildert hatte, versprach man mir, in der Werkstatt bzw. bei Katja nach dem rechten zu schauen.

Mit Katja kam ich dann, nach endlos langem Warten am späten Nachmittag wieder in Kontakt. Sie schilderte mir etwas sauer, dass zwei Beamte in Uniform in der Werkstatt waren und dass sie deswegen noch mehr Ärger bekommen hatte. Ihre Mutter musste Katja wegen des ganzen Aufstands früher aus der Werkstatt abholen. Zum Glück war Katja aber nicht lange und auch nicht wirklich sauer auf mich. Sie hatte sich inzwischen mehr oder weniger beruhigt und sie erzählte mir alles noch einmal in aller Ruhe. Vor allem fühlte sie sich von den beiden großen Beamten in ihren Uniformen total eingeschüchtert, was ihr in ihrer Situation nicht viel geholfen hatte. Und natürlich musste sie nun auch wieder ihren Eltern gegenüber Rede und Antwort stehen, was Katja wiedereinmal überhaupt nicht gefiel. Die Eltern von Katja wussten nun, was Katja vorhatte und genau dies wollten wir eigentlich bis zur letzten Minute geheim halten.

Ich selbst fragte mich, was da unten in Bayern eigentlich los ist. Hat man dort Wörter wie „sensibel“ oder „rücksichtsvoll“ völlig aus dem Wortschatz gestrichen? Kann man denn in solch einem Fall nicht wenigstens eine Beamtin vorbei schicken, die auf Katja ganz anders eingehen und wirken könnte? Ganz egal wie sich Katja auch drehte und wendete. Sie hatte niemanden in ihrer Umgebung der ihr in ihrem Sinne beiseite stand oder Verständnis für sie hatte, von Hilfe ganz zu schweigen. Katja war in ihrer Familie sowie Verwandten und Bekannten ganz alleine.

Mit Herrn Mund traf sich Katja nach ein paar Tagen, wie verabredet, in der Werkstatt und er klärte Katja auf, dass er jetzt in ihrem Sinne tätig werde, was aber alles ein wenig dauern würde. Katja war, trotz des Zwischenfalls und dass sie sich nicht an unsere Absprache gehalten hatte, sehr glücklich, dass nun langsam alles in Schwung kommt und sie bald in eine neutrale Betreuung kommen würde. Wir waren alle erst einmal zufrieden, dass nun auch der zweite Schritt geklappt hatte und wir waren uns nun auch nach dem ganzen Theater sehr sicher, dass es Katjas absoluter Wunsch war, aus der Betreuung durch ihre eigenen Eltern heraus zu kommen.