Kapitel 3 – Der Wunsch nach einer harmonischen Ausreise wächst

In der Behindertenwerkstatt, in der Katja eine Art Lehre absolvierte, musste sie derzeit Bonbons1 einpacken.2 Eine Arbeit die ihr völlig zuwider war bzw. empfand sie alle Arbeiten die sie in der Behindertenwerkstatt ausführen sollte als völlig „bescheuert“. Als ich das alles von Katja hörte, stellte ich mir die Frage, warum muss ein sowieso schon vom Leben schwer gezeichneter Mensch, auch noch so gequält werden? An unserem immer perfider werdenden Wirtschaftsfaschismus gehen schon „normale“ Menschen massenweise psychisch vor die Hunde. Warum tut man dies auch noch geistig sowie körperlich behinderten Menschen an? Gegen eine freiwillige Beschäftigung im Grünen oder mit einem künstlerischen Charakter, wenn schon unbedingt eine Beschäftigung sein muss, hätte ich viel weniger einzuwenden.

1) Ich bin in diesem musikalisch verlinkten Schwachsinn aufgewachsen und werde heute WIEDER dazu genötigt bzw. unter Androhung meiner existenziellen Vernichtung dazu ERPRESST, ständig die Lieder der Anderen zu singen – Verschwindet ENDLICH aus MEINEM Leben ihr hirnrissigen Schwachmaten oder ich prügel Euch ALLE (natürlich nur verbal) in Therapie!!!

2) Namhafte Unternehmen wie Siemens, Helmholz, Em-Eukal oder Playmobil lassen hier für sich arbeiten. Hat man denn noch immer nicht aus der Geschichte gelernt, dass Arbeit NICHT frei Macht und eine Lagerhaltung (nicht nur) von behinderten Menschen absolut menschenverachtend ist?

Ich konnte natürlich die Mittagszeit bis die SMS mit dem „Ruuuf miiich annn!!!“-Zeichen von Katja kam, immer gar nicht abwarten. Das Schöne war, dass wir dadurch eine gemeinsame Regelmäßigkeit in unserem Leben hatten, auf die wir uns beide jeden Wochentag freuen konnten. Katja nutzte zum Telefonieren meist den Umkleideraum in der Werkstatt, wo sie von dessen Mitarbeitern nicht so schnell gefunden wurde. Da den Eltern von Katja das Telefonieren ihrer Tochter ein Dorn im Auge war, gab es laut der Aussage von Katja zwischen den Eltern und der Werkstattleitung eine Absprache, dass auch die Mitarbeiter der Werkstatt versuchen sollten, Katja am Telefonieren zu hindern oder es ihr wenigstens zu erschweren. Mit der Telefonieverhinderung war übrigens die Pausenzeit(!) gemeint, da ja während der Arbeitszeit sowieso nicht telefoniert werden konnte.

Katja hatte wegen dieser Regelung und dass sie immer wieder Wege fand, wie sie entsprechende Restriktionen aufmüpfig umgehen konnte, bereits auch immer wieder Ärger bekommen. Diesbezüglich meldete die Werkstattleitung entsprechende „Verstöße“** den Eltern, so dass sich Katja dann zu Hause erklären musste. Im Rahmen solch einer Auseinandersetzung wurde Katja z.B. von ihren Eltern genötigt, meine Kontaktdaten herauszugeben, da sie mitbekommen hatten, dass Katja mit mir einen neuen regelmäßigen Kontakt hatte und sich eine Freundschaft in der realen Welt anbahnte.

**) Bitte beachten: Die angeblichen Verstöße beging Katja in ihren Arbeitspausen!!!

Katja hatte von all den Begrenzungen und dass sich niemand für ihre Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche interessiert und auch mit niemandem darüber sprechen konnte, die Nase gestrichen voll.

Da ich den Ärger und ihren Frust mitbekam, fragte ich Katja, ob sich denn niemand nach ihren angeblichen Verstößen oder anderen Vergehen mit ihr hinsetzte und über ihre Probleme redete. Katja erzählte mir völlig geknickt, dass sie mit ihren Eltern überhaupt nicht über persönliche Dinge sprechen konnte und wenn sie sich in der Werkstatt anvertraute, gingen die Informationen darüber im schlimmsten Fall sofort an ihre Eltern, worauf hin Katja zu Hause wieder Ärger bekam. Katja war inzwischen so frustriert, dass sie am liebsten ihr Elternhaus verlassen wollte. Aber sie wusste erstens nicht wie und zweitens hatte sie viel zu große Angst vor ihren Eltern, die ja gleichzeitig ihr gesetzlicher Vormund waren. Sie war diesbezüglich völlig in der Zwickmühle und sie fand das alles „Scheiße“.

Wenn Katja in den Auseinandersetzungen mit ihren Eltern, den Eltern androhte zum Richter, der für ihre Vormundschaft zuständig ist, zu gehen, um von ihren Eltern wegzukommen, drohten die Eltern (laut Aussage von Katja) Katja damit, dass sie dem Richter erzählen würden, welchen „Schweinkram“ sie online machen würde und dann würde sie ja schon sehen. Katja war immer völlig fertig, wenn wir über diese Thematik sprachen und wir überlegten beide, wie wir die Sache angehen können, damit Katja in eine neutrale Betreuung kommen könne, die ihre sexuelle Entwicklung und Entfaltung nicht weiter systematisch blockiert.

Ich bot Katja an mich über diese Thematik zu informieren und dann würden wir das Problem gemeinsam Schritt für Schritt angehen und dies nicht nur ich bzw. wir beide alleine, sondern auch in Zusammenarbeit mit meiner gesellschaftspolitischen Geschäftspartnerin Frigga W.. Katja war von dieser Idee und von der gesamten Entwicklung so sehr begeistert, dass sie anfing zu weinen.

Gleichzeitig machte ich Katja aber auch klar, dass alle Aktivitäten immer von ihr ausgehen müssen. Ich bzw. wir werden uns in ihrem Sinne erkundigen und ihr Wege und Möglichkeiten aufzeigen. Den ersten Schritt auf diesem Weg muss sie aber immer alleine machen, damit wir uns absolut sicher sein können, dass es ihr freier Wille ist und nicht etwas, was wir ihr aufzwingen würden. Katja war von unserem ganzen Engagement für sie unbeschreiblich begeistert und völlig aufgelöst und natürlich sogar mehr als einverstanden. Sie konnte es überhaupt nicht fassen, dass nach so vielen Jahren der Quälerei und des Martyriums nun auf einmal völlig fremde Menschen Interesse an ihrer Person und für ihre ganz persönlichen Anliegen hatten und ihr einfach bedingungslos halfen.

Katja fragte mich bzw. uns immer wieder warum wir ihr einfach so helfen. Ich erklärte Katja, dass ich sie sehr, sehr lieb gewonnen hatte, weil sie für mich ein wundervoller und noch völlig ungeschliffener natürlicher Diamant war und weil wir Grundrechte-Aktivisten sind. Ihr Schicksal ging mir bzw. uns sehr nahe und deswegen war es uns eine Herzenssache ihr zu helfen, solange sie diese Hilfe auch mochte und annahm.